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Klopps XXL-Debüt: 44 Spieler, zwei Kader, vier Spiele in elf Tagen

Klopps XXL-Debüt: 44 Spieler, zwei Kader, vier Spiele in elf Tagen

Es ist die erste große Ansage der Ära Klopp – und sie kommt gleich im XXL-Format: Am 17. September 2026 hat Jürgen Klopp seinen ersten Kader als Bundestrainer bekanntgegeben, und der fällt so groß aus, wie es die Nationalmannschaft in dieser Form noch nicht erlebt hat. 44 Spieler, aufgeteilt auf zwei sich überschneidende Aufgebote, für vier Länderspiele innerhalb von nur elf Tagen. Ein Debüt mit Ansage.

Der Kader im Überblick: Zwei Teams für vier Spiele

Statt eines klassischen 23- oder 26-Mann-Kaders hat Klopp ein Doppel-Kader-System gewählt. Der erste Kader mit 24 Spielern bestreitet die Auftaktpartien gegen die Niederlande (24.9., auswärts) und gegen Griechenland (27.9., zu Hause). Für die beiden folgenden Spiele gegen Serbien (1.10., zu Hause) und erneut gegen Griechenland (4.10., auswärts) wechselt Klopp einen Großteil des Kaders aus – der zweite Block umfasst 21 Spieler, von denen einige durchgehend dabei bleiben. In Summe kommt der DFB so auf 44 nominierte Profis für die ersten vier Partien der neuen Nations-League-Saison, in der Deutschland in einer Gruppe mit den Niederlanden, Griechenland und Serbien steht. Im November folgen mit den Duellen gegen Serbien (13.11.) und die Niederlande (16.11.) die letzten beiden Gruppenspiele.

Faktenbox zu Jürgen Klopps erstem DFB-Kader: 44 Spieler, zwei Kader, Spielplan der Nations League

Bei seiner Kadervorstellung erklärte Klopp seine ungewöhnliche Herangehensweise selbst: Er habe eine erste Liste von 57 Feldspielern als mögliche Kandidaten geführt. Die Aufteilung in zwei Kader soll ihm erlauben, in kurzer Zeit möglichst viele Profis live in Augenschein zu nehmen und gleichzeitig die Belastung über die englische Woche im Doppelpack zu verteilen – ein Aspekt, der auch mit Blick auf verletzungsanfällige Schlüsselspieler wie Jamal Musiala und Nico Schlotterbeck eine Rolle gespielt haben dürfte.

Die Namen, die auffallen

Auffälligste Personalie ist die Rückkehr von Marc-André ter Stegen als Nummer eins im Tor – nach 15 Monaten ohne Länderspieleinsatz. Klopp ließ daran keinen Zweifel: „Er ist genau der gleiche Torwart, der er war.“ Joshua Kimmich bleibt Mannschaftskapitän.

Insgesamt stehen 16 Spieler im erweiterten Kader, die noch nie für die A-Nationalmannschaft aufgelaufen sind, 11 von ihnen wurden überhaupt zum ersten Mal nominiert. Auffällig ist dabei ein regelrechtes SC-Freiburg-Quartett: Max Rosenfelder, Philipp Treu, Yannik Engelhardt und Derry Scherhant. Dazu kommen unter anderem Hennes Behrens (FC Augsburg), Bambasé Conté (TSG Hoffenheim), Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt), Finn Jeltsch (VfB Stuttgart), Felix Keidel (SV Elversberg), Vitaly Janelt (Brentford) und Mika Baur (Celtic Glasgow) – ein Signal, dass Klopp bereit ist, tief in die zweite Reihe der Bundesliga und darüber hinaus zu blicken.

Gleichzeitig verzichtete Klopp bei seinem ersten Aufgebot auf mehrere etablierte Namen: Leroy Sané, Oliver Baumann, Leon Goretzka, Pascal Groß, Angelo Stiller und Jamie Leweling fehlen. Auch Deniz Undav ist nicht dabei – Klopp begründete das offen: „Mit Deniz habe ich gesprochen. Er hat bisher seine kleinen Probleme, aber eben auch noch nicht richtig in die Saison hereingefunden.“

Die Kaderzusammenstellung hat Spaß gemacht. Allen bedeutet es unglaublich viel – das wollen wir jetzt wieder sichtbar machen. Ich erwarte sofort mehr.

Kommentar: Mut zur Größe, oder Nebelkerze vor dem Ernstfall?

Drei Monate ist es jetzt her, dass sich Deutschland bei der WM 2026 im Achtelfinale gegen Paraguay im Elfmeterschießen verabschiedet hat – 1:1 nach Verlängerung, 4:5 vom Punkt, nachdem der VAR ein vermeintliches Siegtor von Jonathan Tah in der 102. Minute noch kassiert hatte. Es war das erste K.o.-Runden-Aus einer deutschen Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft seit 64 Jahren, ein historischer Tiefpunkt, der Julian Nagelsmann umgehend seinen Posten kostete. Dass der DFB in dieser Lage auf Jürgen Klopp setzt, war naheliegend: einer, der Krisen kennt, der große Reden halten kann, der Mannschaften emotional aufzuladen versteht. Sein erster Kader zeigt jetzt, wie er das konkret angehen will – und das wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.

Die Idee, 44 Spieler zu sichten statt sich sofort auf einen festen Stamm festzulegen, ist auf den ersten Blick nachvollziehbar: Nach einem Umbruch-Sommer will sich ein neuer Bundestrainer schlicht ein eigenes Bild machen, und vier Spiele in elf Tagen bieten dafür ungewöhnlich viel Gelegenheit. Dass dabei auch Verletzungsprävention mitschwingt – Stichwort Musiala, Stichwort Schlotterbeck –, ist ebenfalls vernünftig. Nur: Eine Nationalmannschaft ist kein Verein, bei dem ein Trainer über Monate im Training an Automatismen feilen kann. Wer mit derart wechselnden Aufgeboten in eine Nations-League-Saison startet, riskiert genau das, woran Deutschland zuletzt gescheitert ist – fehlende eingespielte Abläufe in entscheidenden Momenten. Ob elf frisch zusammengewürfelte Neulinge und ein munter rotierender Kader dem gegensteuern oder das Problem eher verlängern, wird sich erst im Herbst zeigen.

Bemerkenswert ist auch der Umgang mit den Personalien: Die Rückholung von ter Stegen nach 15 Monaten Pause ist eine klare Kampfansage an die etablierte Hierarchie im Tor, während der Verzicht auf einen Bundesliga-Torschützen wie Undav mit einer bemerkenswert offenen Begründung („er ist noch nicht richtig in die Saison hereingefunden“) einherging – Klopp spart nicht mit Klartext, das kennt man aus seiner Vereinstrainer-Zeit. Ob dieser Stil im sensibleren Umfeld des Nationalteams, wo jede Nominierung wochenlang öffentlich seziert wird, genauso gut funktioniert wie beim BVB oder in Liverpool, ist eine der spannendsten Nebenfragen dieser ersten Länderspielphase.

Am Ende zählt für Klopp nur eins: Ergebnisse. „Ich erwarte sofort mehr“, hat er selbst gesagt – und genau daran wird er sich in den kommenden vier Spielen messen lassen müssen, XXL-Kader hin oder her.

⚽ Der Klopp-Kader in 6 Fakten

  • 44 Spieler nominiert, aufgeteilt in zwei Aufgebote mit 24 und 21 Profis
  • 16 Spieler ohne bisherigen Länderspieleinsatz, davon 11 komplette Neulinge im Kader
  • Vier Nations-League-Spiele in elf Tagen: gegen Niederlande, Griechenland (2×) und Serbien
  • Marc-André ter Stegen kehrt nach 15 Monaten als Nummer eins zurück
  • Joshua Kimmich bleibt Kapitän der Mannschaft
  • Leroy Sané, Deniz Undav, Oliver Baumann, Leon Goretzka, Pascal Groß, Angelo Stiller und Jamie Leweling fehlen im ersten Klopp-Kader

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