Wohninvest Weserstadion

Bremen  •  42.100 Plätze
Stadt
Bremen
Kapazität
42.100 Plätze
Rasenart
Naturrasen
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Heimverein
Werder Bremen
1. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Die Ursprünge der Bremer Stadionanlage in der Pauliner Marsch reichen bis 1909 zurück, als der Allgemeine Bremer Turn- und Sportverein hier einen einfachen Sportplatz mit einer Holztribüne errichtete. Erst 1926 entstand mit der ersten großen Tribüne sowie Umkleidekabinen und einem Restaurant eine feste bauliche Anlage, die damals als ABTS-Kampfbahn bekannt war und neben dem Sport auch für politische Massenveranstaltungen genutzt wurde.

Den bis heute gültigen Namen Weserstadion erhielt die Anlage 1930, benannt nach der nahegelegenen Weser. Ab diesem Zeitpunkt trug der SV Werder Bremen seine Heimspiele hier aus. Während des Nationalsozialismus diente das Stadion ab 1934 als „Bremer Kampfbahn” der NSDAP für Propagandaveranstaltungen, während des Zweiten Weltkriegs waren dort drei Flakbatterien stationiert. Nach Kriegsende nutzten amerikanische Besatzungstruppen die Anlage zwischen 1945 und 1947 unter dem Namen IKE-Stadion für ihre Mannschaftssportarten, bevor sie 1947 wieder unter dem Namen Weserstadion eröffnet wurde.

Architektur

Das Weserstadion liegt in der Pauliner Marsch, einem Überflutungsgebiet vor dem Osterdeich im Stadtteil Östliche Vorstadt – ein Retentionsgebiet für den Hochwasserschutz, das bei allen Baumaßnahmen besondere technische Vorkehrungen erforderte. Zur Bundesliga-Saison 1963 erhielt die Nordgerade eine Überdachung und eine neue Flutlichtanlage; 1965 kamen Kurventribünen mit Oberrang hinzu, gedacht auch als „Belohnung” für die erste deutsche Meisterschaft des SV Werder Bremen. 1978 wurde die Nordtribüne neu errichtet und mit Flutlichtmasten ausgestattet, die zu ihrer Zeit als stärkste Flutlichtanlage eines europäischen Fußballfeldes galten.

1992 wurde das Weserstadion das erste Stadion Deutschlands mit einer Logenanlage. 1997 erhielt die Ostkurve einen fünfgeschossigen Mantelbau mit Umkleidekabinen, Fanshop, Jugendinternat und Deutschlands erster Großraumloge mit 700 Plätzen samt angeschlossenem Restaurant. Seit Anfang der 1990er Jahre befindet sich unter der Südtribüne zudem eine Leichtathletikhalle mit 60-Meter-Bahn und Sprunganlagen. Bei der großen Umbauphase 2008 bis 2011 wurde das Stadion zu einem reinen Rechteck-Fußballstadion umgestaltet; auf den Dächern der Nordgeraden und der Südtribüne sowie in der neuen Südfassade wurden großflächig Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtfläche von rund 16.000 Quadratmetern integriert, die das Stadion energetisch teilweise autark machen. Heute verfügt das Stadion über vier Flutlichtmasten mit je 61 Metern Höhe und je 51 Strahlern à 2.000 Watt, die eine Beleuchtungsstärke von rund 1.900 Lux erzeugen; sie sollen als Wahrzeichen erhalten bleiben, auch wenn für 2025 eine moderne LED-Anlage am Dachrand geplant ist. Das Spielfeld misst 105 mal 68 Meter und verfügt über einen Hybridrasen mit Rasenheizung, Beregnungs- und Entwässerungsanlage.

Umbauten & Modernisierungen

Nach den frühen Ausbaustufen der 1960er bis 1990er Jahre – Überdachung 1963, Kurventribünen 1965, neue Flutlichtmasten 1978, Logenanlage 1992, Ostkurven-Neubau 1997 – erhielt das Stadion 1998 eine Rasenheizung. 2002 wurde der Innenraum um zwei Meter abgesenkt und die 400-Meter-Laufbahn entfernt, wodurch die Kapazität um rund 8.000 auf etwa 43.500 Plätze stieg. 2006 wurden die bisherigen roten Sitze gegen grüne ausgetauscht und der Schriftzug „Werder Bremen” auf dem Unterrang angebracht.

Die bislang umfassendste Umbauphase erfolgte zwischen 2008 und 2011. Ursprüngliche Pläne, denen die Bremer Baudeputation am 12. April 2007 und der Bremer Senat am 17. April 2007 zustimmten, sahen eine Kapazitätssteigerung auf 50.000 Plätze mit einem kompletten Dach und einem dritten Oberrang samt bis zu 20.000 Quadratmetern Solaranlage bei Gesamtkosten von 40 bis 50 Millionen Euro vor. Wegen gestiegener Kosten entschied sich Werder Bremen 2008 gegen diesen maximalen Ausbau; ab Mai 2009 erfolgte statt dessen der Umbau zu einem reinen Fußballstadion ohne Kapazitätserweiterung über die bisherige Grenze hinaus. Ende 2008 wurde mit dem Photovoltaik-Ausbau auf dem Dach der Nordgeraden begonnen, Anfang 2009 folgten Bindarpaare auf der Südgeraden, Ende März 2009 wurde die neue Südfassade mit integrierten PV-Zellen fertiggestellt, und spätestens im Sommer 2010 war auch die Ostkurve umgebaut. Seit der Saison 2011/12 verfügt das Stadion über eine Kapazität von etwas mehr als 42.000 Plätzen, aktuell 42.100 (davon rund 10.600 Stehplätze und 37.441 Sitzplätze). Ein 2016/17 verfolgter Plan, die für Konzerte durch den Umbau verlorene Kapazität zurückzugewinnen – im März 2017 von der Bremer Baubehörde mit maximal 38.000 Besuchern genehmigt –, wurde im Juni 2017 wieder verworfen, weil ein für den Rasenschutz notwendiger Hybridrasen Konzerte auf dem Spielfeld faktisch unmöglich machte.

Namensgeschichte

Nach der frühen Nutzung als einfacher Sportplatz (1909–1926) und als ABTS-Kampfbahn (1926–1934) sowie der von der NSDAP genutzten Bremer Kampfbahn (1934–1945) und dem kurzzeitigen IKE-Stadion der amerikanischen Besatzer (1945–1947), erhielt die Anlage 1947 endgültig den Namen Weserstadion, unter dem sie über sieben Jahrzehnte bekannt war. In der Ära der kommerziellen Namensrechte zahlte das norddeutsche Versorgungsunternehmen EWE zwischen 2007 und 2018 rund 3 Millionen Euro jährlich für Sponsorenrechte, verzichtete dabei jedoch bewusst auf eine Umbenennung des Stadions.

Am 1. Juni 2019 erwarb der Fellbacher Immobilienkonzern Wohninvest die Namensrechte für ebenfalls rund 3 Millionen Euro pro Jahr im Rahmen eines auf zehn Jahre angelegten Vertrags, und das Stadion wurde offiziell in „wohninvest WESERSTADION” umbenannt. Die Umbenennung stieß bei den Fans auf erheblichen Widerstand; rund 600 Anhänger demonstrierten unter dem Motto „Weserstadion unantastbar” gegen die Namensänderung. Der Vertrag endete vorzeitig am 30. Juni 2024, nachdem die Wohninvest Holding insolvent geworden war. Seit dem 1. Juli 2024 trägt das Stadion wieder seinen traditionellen Namen Weserstadion.

Zuschauerrekord & Kapazität

Über die Jahrzehnte veränderte sich die Zuschauerkapazität des Weserstadions erheblich, insbesondere durch die Umwandlung von Stehplätzen in Sitzplätze. Nach dem großen Umbau 2002 lag die Kapazität bei rund 43.500 Plätzen, nach der Umbauphase 2008–2011 sank sie geringfügig auf gut 42.000 Plätze, wo sie mit aktuell 42.100 Plätzen (davon rund 10.600 Stehplätze und 37.441 Sitzplätze) bis heute liegt; die genehmigte Höchstkapazität für Konzerte beträgt 38.000 Besucher.

Sportgeschichtlich bemerkenswert ist das späteste in der Bundesliga-Geschichte erzielte Tor: Beim Saisonauftakt 2004/05 gegen den FC Schalke 04 sorgte eine defekte Kabelmuffe für eine 65-minütige Spielunterbrechung; die Partie begann erst um 21:36 Uhr, und Nelson Valdez erzielte das Siegtor um 23:15 Uhr – bis heute der späteste Torzeitpunkt der Bundesliga-Historie. Die schadhafte Muffe wird seither im stadioneigenen Wuseum ausgestellt. Auch im Frauenfußball setzte das Weserstadion Maßstäbe: 2025 stellte die Werder-Frauenmannschaft dort einen neuen Zuschauerrekord für ihre eigenen Heimspiele auf.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

Im Weserstadion fanden insgesamt elf A-Länderspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft statt. Das erste Länderspiel war am 23. Mai 1939 die Partie gegen Irland (1:1). In der Nachkriegszeit folgten unter anderem die EM-Qualifikationspartie gegen Malta am 7. Juni 1978 (8:0), Freundschaftsspiele gegen Jugoslawien (1988), Nordirland (1992) und Slowakei (2001) sowie die WM-Qualifikationspartie gegen die Ukraine 1996 (2:0). Am 28. April 1999 fiel während des Länderspiels gegen Schottland (0:1) die Flutlichtanlage aus, sodass die Halbzeitpause um 15 Minuten verlängert werden musste. Von besonderer historischer Bedeutung war das Benefizspiel gegen die Ukraine am 12. Juni 2023 (3:3) – nach über elf Jahren das erste Länderspiel im Weserstadion und zugleich das 1.000. Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft überhaupt.

Das Stadion war zudem Schauplatz des Rückspiels im Finale der U-21-Fußball-Europameisterschaft 1982 am 12. Oktober 1982, das Deutschland mit 3:2 gewann; da England das Hinspiel jedoch mit 3:1 für sich entschieden hatte, ging der Titel insgesamt an die englische Mannschaft. Bereits im Juli 1951 wurden auf der damaligen Aschenbahn erstmals professionelle Bahnradsport-Wettkämpfe ausgetragen.

Sonstige Nutzung

Über die Jahrzehnte diente das Weserstadion auch zahlreichen Veranstaltungen außerhalb des Fußballs. In den 1930er und 1940er Jahren wurde die Anlage als politische Kundgebungsstätte der NSDAP sowie als Standort von Flakbatterien und als Sportstätte der amerikanischen Besatzungstruppen genutzt. Am 6. Mai 1980 kam es bei einem öffentlichen Gelöbnis von 1.200 Bundeswehr-Rekruten zu schweren Auseinandersetzungen zwischen etwa 8.000 Gegendemonstranten und der Polizei, bei denen rund 250 Polizisten verletzt wurden.

Seit den 1990er Jahren beherbergt das Stadion unter der Südtribüne eine Leichtathletikhalle, die von lokalen Vereinen für Training genutzt wird. Zahlreiche internationale und nationale Musikkünstler traten im Stadion auf, wobei ab 2012 laut einem Bericht von Radio Bremen Konzertveranstalter das Weserstadion zunehmend mieden, weil durch den Umbau rund 10.000 Plätze an Eventkapazität verloren gegangen waren; ein 2016/17 verfolgter Plan zur Wiedererlangung der Konzertkapazität von bis zu 38.000 Besuchern wurde letztlich nicht umgesetzt, da der neu verlegte Hybridrasen Konzerte auf dem Spielfeld praktisch ausschloss. Seit Dezember 2004 befindet sich im Stadion das Werder-Bremen-Museum „Wuseum”, das die Meisterschale, den DFB-Pokal, historische Plakate, Fotografien und Pokale sowie Sonderausstellungen zeigt. Auf dem Stadiongelände befinden sich zudem ein städtisches Freibad (Stadionbad Bremen), zwei Tennisvereine und ein Segelclub als direkte Nachbarn; die Tennisvereine wehrten sich seinerzeit erfolgreich gegen den geplanten dritten Oberrang, der ihre Trainingsplätze verschattet hätte, wodurch dem Tennis-Club Rot-Gelb der Pachtvertrag gekündigt wurde.

Das Stadion heute

Das Weserstadion ist bis heute die Heimspielstätte des SV Werder Bremen und bietet Platz für 42.100 Zuschauer. Eigentümerin ist die Bremer Weser-Stadion GmbH, die sich zu gleichen Teilen im Besitz des SV Werder Bremen und der Stadt Bremen befindet. Seit der Insolvenz des Sponsors Wohninvest trägt die Anlage seit dem 1. Juli 2024 wieder ihren traditionellen Namen Weserstadion. Aufgrund seiner besonderen Lage in der Pauliner Marsch ist das Stadion verkehrlich nur eingeschränkt erschlossen: Die einzige Straßenzufahrt erfolgt über den Osterdeich, es gibt vergleichsweise wenige Parkplätze, dafür aber seit 2009 als deutschlandweite Besonderheit eine Anreisemöglichkeit per Schiff im Taktverkehr sowie ein Shuttlebus-System und eine eigene Straßenbahnhaltestelle. Für 2025 ist eine Modernisierung der Flutlichtanlage mit einer neuen LED-Beleuchtung am Dachrand geplant, wobei die vier historischen Flutlichtmasten als Wahrzeichen des Stadions erhalten bleiben sollen.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:11 Uhr