Volksparkstadion

Hamburg  •  57.000 Plätze
Stadt
Hamburg
Adresse
Sylvesterallee 7, Bahrenfeld 22525 Hamburg
Kapazität
57.000 Plätze
Rasenart
Naturrasen
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Heimverein
Hamburger SV
1. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Die Geschichte der Fußballarena im Altonaer Volkspark reicht bis in die 1920er Jahre zurück. Der Vorläuferbau, das Altonaer Stadion, wurde vom Architekten Gustav Oelsner entworfen und am 11. September 1925 vor rund 50.000 Zuschauern eröffnet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage zweckentfremdet und diente ab 1943 unter anderem als Unterkunft für italienische Zwangsarbeiter.

Das heutige Volksparkstadion entstand als kompletter Neubau zwischen 1951 und 1953 zu Baukosten von rund 2,5 Millionen D-Mark. Mit einer anfänglichen Kapazität von 76.000 Plätzen war es zum Zeitpunkt der Eröffnung das größte Stadion der Bundesrepublik Deutschland – nur das Olympiastadion in West-Berlin fasste noch mehr Zuschauer. Nach der Gründung der Fußball-Bundesliga 1963 verlegte der Hamburger SV seine Heimspiele vom Sportplatz Rothenbaum in den Volkspark, wo er bis heute beheimatet ist.

Architektur

In seiner ursprünglichen Form der 1950er Jahre war das Volksparkstadion eine offene Schüsselform ohne durchgehende Überdachung, die im Volksmund später wegen ihrer massiven Betonbauweise als „Beton-Schüssel” bekannt wurde. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 erhielt die Gegengerade eine Dachsitzplatztribüne, wodurch sich das Erscheinungsbild wandelte, die Kapazität aber auf 61.300 Plätze sank.

Den entscheidenden architektonischen Umbruch brachte der Komplettumbau von 1998 bis 2000 unter der Leitung des Architekten Manfred O. Steuerwald. Bei laufendem Spielbetrieb wurden die Tribünen näher an das Spielfeld herangerückt, der beheizbare Rasen um 90 Grad gedreht und die frühere Westkurve aufgelöst; die neue Nordtribüne wurde zum Zentrum der HSV-Fankurve. Die Dachkonstruktion der neuen Arena wurde vom renommierten Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner geplant, das eine transparente Überdachung aus 40 Feldern von je 800 Quadratmetern realisierte, gefertigt von einem internationalen Konsortium aus England, den USA und Berlin. Wegen der Lage in der Haupteinflugschneise der Start- und Landebahn 05/23 des Hamburger Flughafens musste für den Umbau eine Ausnahmegenehmigung des Luftfahrt-Bundesamtes eingeholt werden, da die Bauhöhe der neuen Tribünen und des Dachs die Sicherheitsvorgaben des Flugverkehrs berührte. Das Stadion erhielt die UEFA-Kategorie 4, die höchste Einstufung für europäische Wettbewerbsspiele.

Umbauten & Modernisierungen

Nach dem Neubau von 1953 blieb die bauliche Grundstruktur bis in die 1970er Jahre weitgehend erhalten. Zur Weltmeisterschaft 1974 investierte man rund 20 Millionen D-Mark in eine überdachte Tribüne auf der Gegengeraden, was die Kapazität auf 61.300 Plätze reduzierte.

Der bislang größte Umbau war das sogenannte Arena-Projekt von 1998 bis 2000, bei dem das alte Stadion bei laufendem Spielbetrieb praktisch vollständig durch einen Neubau ersetzt wurde. Ursprünglich waren Kosten von etwa 159 Millionen D-Mark (rund 81,3 Millionen Euro) veranschlagt, wovon 21,3 Millionen D-Mark (etwa 10,89 Millionen Euro) aus öffentlichen Zuschüssen stammten. Die tatsächlichen Kosten überstiegen die Planung erheblich und führten zur Insolvenz des privaten Investors Andreas C. Wankum, der daraufhin seine rund 20 Prozent Anteile am Projekt an den HSV abgeben musste. Im Zuge dieses Umbaus erwarb der HSV 1998 das Stadiongelände für eine symbolische Mark von der Stadt Hamburg.

Zur Weltmeisterschaft 2006 wurden für rund 5,2 Millionen Euro ein elektronisches Zugangssystem, ein Pressezentrum und erweiterte Sicherheitseinrichtungen nachgerüstet, unterstützt durch städtische Zuschüsse von 2,4 Millionen Euro; zusätzlich entstanden für 800.000 Euro zwei überdachte Aufwärmplätze. 2004 zog die Profimannschaft mit einem neuen Trainingszentrum vom Ochsenzoll direkt an den Volkspark. Im April 2009 plante der HSV eine Kapazitätserweiterung auf 61.322 Plätze für rund 13 Millionen Euro, mit zusätzlichen Stehplätzen im Norden und neuen VIP-Logen im Süden; das Vorhaben wurde im Oktober 2009 aus finanziellen Gründen verschoben und im Juni 2010 nur in reduzierter Form als Umbau des Blocks 22 C zu Stehplätzen umgesetzt, ohne Kapazitätserhöhung, da zusätzliche Toiletten und Fluchtwege fehlten. In der Saison 2015/16 wurde dieser Block teilweise wieder zu Sitzplätzen zurückgebaut. Im September 2020 verkaufte der HSV das 1998 für eine Mark erworbene Stadiongelände für 23,5 Millionen Euro an die Stadt Hamburg zurück und erhielt im Gegenzug ein Erbbaurecht bis zum Jahr 2087 mit einem jährlichen Erbbauzins von rund 423.000 Euro. Für die Fußball-Europameisterschaft 2024 wurden weitere Modernisierungen mit einem Budget von rund 30 Millionen Euro durchgeführt, um die UEFA-Vorgaben zu erfüllen.

Namensgeschichte

Seit seiner Eröffnung 1953 trug das Stadion den Namen Volksparkstadion, abgeleitet von seiner Lage im Altonaer Volkspark. Im Juli 2001 erwarb der US-Medienkonzern AOL die Namensrechte für rund 30 Millionen D-Mark (etwa 15,3 Millionen Euro) und benannte die Arena in AOL Arena um; dieser Name galt bis Dezember 2005/2007. Im Juli 2007 wurde die Anlage in HSH Nordbank Arena umbenannt – die erste Namensänderung eines deutschen Bundesliga-Stadions durch einen neuen Sponsor.

Zum 1. Juli 2010 übernahm der Anlagenbauer Imtech die Namensrechte im Rahmen eines Sechsjahresvertrags, und das Stadion hieß bis zum 30. Juni 2015 Imtech Arena, wurde umgangssprachlich aber weiterhin häufig Volksparkstadion genannt. Ab Juli 2015 erwarb der Hamburger Unternehmer und HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne die Namensrechte für vier Jahre und ließ das Stadion in seinen Ursprungsnamen Volksparkstadion zurückbenennen – als erstes Bundesliga-Stadion überhaupt, das nach kommerziellem Sponsoring wieder seinen historischen Namen erhielt. Kühne verlängerte die Namensrechte für die Saison 2019/20 und erneut von 2022 bis Juni 2023 für ein weiteres Jahr. Nach Kühnes Tod des langjährigen HSV-Idols Uwe Seeler im Jahr 2022 war Kühne bereit, das Stadion in „Uwe-Seeler-Stadion” umzubenennen, doch bis heute kam es zu keiner weiteren Umbenennung, und das Stadion trägt weiterhin den Namen Volksparkstadion.

Zuschauerrekord & Kapazität

Bei der Eröffnung 1953 bot das Stadion Platz für 76.000 Zuschauer und war damit das größte Stadion der jungen Bundesrepublik. Durch die Umbauten von 1974 sank die Kapazität auf 61.300, nach dem Komplettumbau 1998–2000 lag sie zunächst bei 54.500 bis 56.400 Plätzen inklusive Stehplätzen beziehungsweise bei rund 51.500 reinen Sitzplätzen für internationale Spiele. Heute fasst das Stadion rund 57.000 Zuschauer, davon etwa 10.000 Stehplätze, 3.620 Business-Seats, 711 Logenplätze und 120 barrierefreie Plätze.

Der Zuschauerrekord im Männerfußball wurde am 30. Januar 2009 beim Spiel des HSV gegen den FC Bayern München (1:0) mit rund 57.000 Zuschauern aufgestellt. Einen historischen Meilenstein im deutschen Frauenfußball setzte das Halbfinale im DFB-Pokal zwischen dem HSV und Werder Bremen am 23. März 2025, das mit über 48.000 verkauften Tickets den bisherigen deutschen Zuschauerrekord im Frauen-Vereinsfußball von 44.808 Besuchern beim DFB-Pokalfinale 2023 in Köln übertraf.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

Bereits 1928 war die Vorgängeranlage im Volkspark Schauplatz des Endspiels um die deutsche Meisterschaft, in dem der HSV Hertha BSC mit 5:2 bezwang. Als Leichtathletikstätte war das Stadion mehrfach Austragungsort Deutscher Meisterschaften, unter anderem 1954, 1962, 1977 und 1989.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 fanden im Volksparkstadion drei Vorrundenspiele der Gruppe I statt, darunter am 14. Juni 1974 das historische und einzige A-Länderspiel zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Bei der Europameisterschaft 1988 war das Stadion am 21. Juni 1988 Schauplatz des ersten EM-Halbfinales. Zur Weltmeisterschaft 2006 wurden fünf Partien ausgetragen – vier Vorrundenspiele und ein Viertelfinale; während des Turniers firmierte die Arena offiziell als „FIFA WM-Stadion Hamburg”, und der reguläre Stadionname wurde temporär von der Osttribüne entfernt. 2010 war das Stadion Schauplatz des Finales der UEFA Europa League. Zur Europameisterschaft 2024 richtete das Volksparkstadion vier Gruppenspiele und ein Viertelfinale aus. In den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 trugen ukrainische Vereine wie Schachtar Donezk und Dynamo Kiew wegen der russischen Invasion einzelne Spiele im Volksparkstadion aus.

Sonstige Nutzung

Neben dem Fußball hat sich das Volksparkstadion auch als Veranstaltungsort für Konzerte etabliert. Das erste große Konzert fand im Juni 1983 statt, als Supertramp vor rund 40.000 Besuchern auftraten. In den folgenden Jahrzehnten fanden zahlreiche weitere Großveranstaltungen statt, darunter 2007 die Klimaschutz-Konzertreihe Live Earth.

Das Stadion war zudem mehrfach Schauplatz von American-Football-Spielen: Zwischen 1992 und 2000 spielten hier die Hamburg Blue Devils in der NFL Europe, zwischen 2005 und 2007 die Hamburg Sea Devils, und 2023 trug das wiederbelebte Team Hamburg Sea Devils ein Spiel der European League of Football im Stadion aus. Weitere Sport- und Fußball-Sonderveranstaltungen waren der LIGA-total!-Cup 2012 und der Telekom Cup 2014. Ein dunkles Kapitel der Stadiongeschichte war der Vorfall von 1979, als es bei einer Meisterfeier des HSV zu Ausschreitungen und einer Massenpanik mit 71 Verletzten kam; in der Folge initiierte die Hamburger Innenbehörde eine rund zehnjährige Sicherheitsstudie zu Großveranstaltungen in Stadien.

Das Stadion heute

Das Volksparkstadion ist bis heute die Heimspielstätte des Hamburger SV und bietet Platz für rund 57.000 Zuschauer. Eigentümerin und Betreiberin ist die HSV Fußball AG über die HSV-Arena GmbH & Co. KG, während die Stadt Hamburg seit dem Grundstücksverkauf 2020 Eigentümerin des Geländes ist, das dem HSV bis 2087 im Erbbaurecht überlassen wird. Seit Juli 2015 trägt die Arena wieder überwiegend ihren historischen Namen Volksparkstadion – ein in Europa einzigartiger Fall der erfolgreichen Rückbenennung eines zuvor mehrfach umbenannten Sponsorenstadions. Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2024 wurde das Stadion nach UEFA-Vorgaben modernisiert und war erneut internationaler Austragungsort. Das Stadion bleibt damit sowohl sportliches als auch kulturelles Zentrum im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:16 Uhr