Stadion An der Alten Försterei

Berlin  •  22.012 Plätze
Stadt
Berlin
Adresse
Hämmerlingstraße 80-88, Köpenick
Kapazität
22.012 Plätze
Rasenart
Naturrasen
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Heimverein
FC Union Berlin
1. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Das Stadion An der Alten Försterei entstand 1920 als Ersatzspielstätte für den SC Union Oberschöneweide, nachdem der Verein seinen bisherigen Platz an der Wattstraße räumen musste. Das erste Spiel auf dem neuen Gelände fand am 7. März 1920 statt und endete 1:1 gegen Viktoria 89 Berlin. Die offizielle Eröffnungsfeier folgte am 7. August 1920 mit einer Partie zwischen dem Berliner Meister Union und dem Deutschen Meister 1. FC Nürnberg vor rund 7.000 Zuschauern, die Union mit 1:2 verlor. Die ursprüngliche Kapazität betrug 10.000 Plätze, davon lediglich 200 Sitzplätze.

Der heute gebräuchliche Name An der Alten Försterei geht auf das benachbarte Forsthaus zurück; anfangs hieß die Anlage schlicht Sadowa-Platz beziehungsweise Sportplatz Sadowa, benannt nach einem nahegelegenen Ausfluglokal und dem damaligen Bahnhof Wuhlheide. In den 1930er- und 1940er-Jahren war das Stadion bei den Fans zudem unter dem Namen „Blumentopp“ bekannt, ebenfalls nach einer benachbarten Lokalität.

Während des Zweiten Weltkriegs dienten Teile der Anlage als Flakstellungen; bereits am 1. Juli 1945 war das Stadion wieder nutzbar. Nach 1966, dem Gründungsjahr des 1. FC Union Berlin aus dem TSC Oberschöneweide und dem TSC Berlin, wurde die Alte Försterei zur Heimspielstätte des Vereins in der DDR-Oberliga. Nach der Wende 1989 ging das zuvor volkseigene Stadion in den Besitz des Berliner Senats über.

Architektur

Anders als viele gleichaltrige deutsche Stadien wurde die Alte Försterei nicht als Mehrzweckanlage mit Leichtathletikbahn, sondern von Beginn an als reine Fußballspielstätte mit unmittelbar am Spielfeld liegenden Rängen konzipiert. Die Anlage gliedert sich bis heute in vier klar benannte Abschnitte: die „Waldseite“ im Norden und die „Gegengerade“ im Osten als reine Stehplatztraversen, die „Wuhleseite“ im Süden ebenfalls als Stehplatzbereich mit dem Gästefanblock, sowie die Westseite mit der überdachten Haupttribüne, in der sich VIP-Bereich und Gästesitzplätze befinden.

Seit der grundlegenden Renovierung zwischen 2008 und 2013 sind alle vier Tribünenabschnitte vollständig überdacht – zuvor war das Stadion über Jahrzehnte nur teilweise gegen Witterung geschützt. Eine bis heute erhaltene Kuriosität ist die Anzeige der Spielstände: Nachdem 1991 die elektronische Anzeigetafel demontiert worden war, werden Ergebnisse seither manuell über Steckschilder angezeigt – eine Tradition, die bei den Fans inzwischen selbst Kultstatus erreicht hat. Erst im Sommer 2016 kam mit einer 9 mal 5 Meter großen, 1,4 Tonnen schweren Videoanzeigetafel mit 10-Millimeter-Pixelabstand und einer Lichtstärke von 7.000 cd/m² erstmals wieder moderne Anzeigetechnik hinzu.

Ein zentrales architektonisches Element ist zudem die Nähe der Ränge zum Spielfeld sowie der bewusste Verzicht auf ein rundum geschlossenes Schüsselstadion: Die offenen Ecken neben der Haupttribüne prägen bis heute den intimen, kesselartigen Charakter der Anlage und sollen auch bei der geplanten Erweiterung erhalten bleiben.

Umbauten & Modernisierungen

Nach ersten Sanierungsarbeiten in den 1950er-Jahren, bei denen zwischen 1952 und 1955 Spielfeld, Traversen und Umkleidetrakt erneuert wurden, folgte Ende der 1960er-Jahre ein erster größerer Ausbau: Zwischen 1968 und 1970 wurden Stehplatz- und Sitzplatztribüne erweitert und eine Sprecherkabine errichtet, wodurch die Kapazität auf rund 15.000 Plätze stieg. Zwischen 1979 und 1983 folgten umfangreiche Erweiterungsarbeiten an den Hintertortribünen im Norden und Süden, die die Kapazität auf 25.500 Plätze (davon 1.800 Sitzplätze) anhoben und mit denen auch der Rasen erneuert sowie ein Sprecherhaus mit Anzeigetafel errichtet wurde.

In den 1990er-Jahren stagnierte der Ausbau zunächst; erst im Jahr 2000 wurden mit dem Einbau einer Flutlichtanlage und dem Bau einer überdachten Sitzplatztribüne aus Restbeständen des Berliner Olympiastadions erste Modernisierungen umgesetzt, wobei die Kapazität wegen nicht erfüllter DFB-Auflagen zugleich auf 18.100 Plätze zurückgestuft wurde. Die entscheidende Wende kam mit dem legendären Ausbau von Juni 2008 bis Juli 2009: Nach einem Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre mit dem Land Berlin leisteten rund 2.000 freiwillige Helfer fast 140.000 unentgeltliche Arbeitsstunden, während der Verein die komplette Saison 2008/09 im Ausweichstadion Jahnsportpark verbrachte. Zusätzlich wurde eine Rasenheizung eingebaut. Die Wiedereröffnung fand am 8. Juli 2009 mit einem Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC (3:5) statt; die neue Kapazität lag bei 19.000 Plätzen, ab 2010 durch temporäre Klappsitze bei 18.432 Plätzen (15.414 Steh- und 3.018 Sitzplätze).

Eine zweite Bauphase betraf zwischen Mai 2012 und 2013 die komplette Erneuerung der Haupttribüne mit 3.557 Plätzen sowie Funktionsräumen für Mannschaft, Schiedsrichter und Verwaltung. Die rund 15 Millionen Euro teure Maßnahme wurde unter anderem durch die „Alte-Försterei-Aktie“ mitfinanziert, bei der Vereinsmitglieder im Dezember 2011 Anteile der in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Stadionbetriebsgesellschaft erwerben konnten; es wurden 5.473 Aktien im Wert von 2.736.500 Euro platziert. Seither liegt die Kapazität bei 22.012 Plätzen (18.395 Steh- und 3.617 Sitzplätze).

Namensgeschichte

Die Spielstätte trug zu Beginn ihrer Geschichte den Namen Sadowa-Platz beziehungsweise Sportplatz Sadowa, benannt nach einem nahegelegenen Ausfluglokal und dem historischen Bahnhof Wuhlheide. Der bis heute gültige Name An der Alten Försterei leitet sich vom benachbarten Forsthaus ab und setzte sich im Laufe der Vereinsgeschichte als offizielle Bezeichnung durch. In den 1930er- und 1940er-Jahren war unter den Fans zusätzlich der informelle Name „Blumentopp“ gebräuchlich, wiederum nach einem in der Nähe gelegenen Lokal.

Anders als bei vielen anderen deutschen Profistadien gibt es an der Alten Försterei bis heute keinen klassischen Namenssponsoring-Vertrag mit einem wechselnden Geldgeber; der traditionelle, unmittelbar auf die örtliche Geografie verweisende Name blieb über ein Jahrhundert hinweg im Wesentlichen unverändert – ein Umstand, der bei den Unioner Fans als Ausdruck der Vereinsidentität und Verwurzelung im Stadtteil Köpenick gilt.

Mit dem Erwerb des Stadiongrundstücks vom Berliner Senat, der 2022/2023 abgeschlossen wurde, ist der 1. FC Union Berlin zudem erstmals selbst Eigentümer von Grundstück und Stadion geworden – ein Schritt, der die enge Verbindung zwischen Verein, Namen und Standort zusätzlich institutionell untermauert.

Zuschauerrekord & Kapazität

Die Kapazitätsentwicklung des Stadions verlief seit der Eröffnung 1920 mit 10.000 Plätzen über mehrere Ausbaustufen: 1970 rund 15.000, 1983 bereits 25.500 Plätze. Die höchste je gemessene Zuschauerzahl der DDR-Zeit stammt vom Entscheidungsspiel um die DDR-Oberliga am 23. Mai 1984 gegen den BSG Chemie Leipzig mit 22.500 Zuschauern; einen weiteren historischen Rekord markierte das Intertoto-Cup-Spiel gegen Bayer 05 Uerdingen am 21. Juni 1986 mit 23.000 Zuschauern. Beide Werte gelten bis heute als die höchsten je im Stadion gezählten Besucherzahlen, da die Kapazität in den folgenden Jahrzehnten aus Sicherheits- und DFB-Auflagen deutlich reduziert wurde – 2000 etwa auf lediglich 18.100 Plätze.

Nach dem fanfinanzierten Ausbau 2008/09 lag die Kapazität zunächst bei 19.000, ab 2010 mit temporären Klappsitzen bei 18.432 Plätzen; seit dem Ausbau der Haupttribüne 2012/2013 beträgt die aktuelle Kapazität 22.012 Plätze, davon 18.395 Steh- und 3.617 Sitzplätze – damit ist die Alte Försterei das größte reine Stehplatzstadion Berlins und eines der größten „reinen“ Fußballstadien Deutschlands gemessen am Stehplatzanteil.

Außergewöhnlich für die deutsche Fußball-Bundesliga ist zudem die konstant extrem hohe Auslastung des Stadions: Bereits in der Saison 2016/17, noch in der 2. Bundesliga, lag die Stadionauslastung bei über 95 Prozent, und auch nach dem Bundesliga-Aufstieg 2019 blieben die Heimspiele des 1. FC Union Berlin regelmäßig ausverkauft.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

Schon in der DDR-Oberliga-Zeit zählten die Heimspiele Unions zu den größten Zuschauerattraktionen der Liga; das Entscheidungsspiel 1984 gegen Chemie Leipzig mit 22.500 Zuschauern gilt bis heute als legendär in der Vereinsgeschichte. Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga 2001 erhielt Union zunächst nur eine vorläufige Spielgenehmigung und musste die Heimspiele im UEFA-Pokal 2001/02 in den Berliner Jahnsportpark verlegen, da das Stadion die DFB-Kategorie-3-Auflagen nicht erfüllte – ein Muster, das sich Jahrzehnte später beim Aufstieg in die internationalen Wettbewerbe wiederholen sollte.

Der historische Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte war der Aufstieg in die 1. Bundesliga nach der Saison 2018/19, mit dem der 1. FC Union Berlin erstmals in seiner Geschichte erstklassig wurde. In der UEFA Europa Conference League 2021/22 musste der Verein seine Heimspiele wegen des überwiegenden Stehplatzanteils zunächst ins Berliner Olympiastadion verlegen; erst durch die Aufhebung des Stehplatzverbots bei Europapokalspielen im Rahmen eines UEFA-Pilotprojekts durfte Union die Heimspiele in der UEFA Europa League 2022/23 wieder in der Alten Försterei austragen – ein bedeutender Schritt für den Erhalt der traditionellen Stadionatmosphäre bei internationalen Auftritten.

Die Teilnahme an der UEFA Champions League in der Saison 2023/24 markierte einen weiteren Höhepunkt der Klubgeschichte und rückte die Alte Försterei erstmals auch international in den Fokus der europäischen Fußballöffentlichkeit.

Sonstige Nutzung

Seit 2003 veranstaltet der Fanclub Alt-Unioner in der Adventszeit das traditionelle Weihnachtssingen im Stadion, bei dem der Rasen abgedeckt und der Innenraum für die Besucher zugänglich gemacht wird; 2015 nahmen rund 28.500 Menschen an dieser inzwischen weit über Berlin hinaus bekannten Veranstaltung teil.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien richtete der Verein mit dem „WM-Wohnzimmer“ ein ungewöhnliches Fanfest aus: Besucher konnten ihre eigenen Sofas im Innenraum des Stadions aufstellen und die Spiele gemeinsam auf einer Großleinwand verfolgen; bei Partien mit deutscher Beteiligung kamen jeweils rund 12.000 Gäste. Auch Konzerte fanden hier bereits statt, darunter ein Auftritt von Linkin Park am 3. September 2015 vor knapp 25.000 Zuschauern.

Darüber hinaus wird das Stadion regelmäßig für akademische Veranstaltungen genutzt: Die Immatrikulationsfeiern der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin fanden 2017 und 2018 mit jeweils über 1.500 Studierenden in der Alten Försterei statt – ein Beleg dafür, wie eng das Stadion mit dem gesellschaftlichen Leben im Bezirk Treptow-Köpenick verwoben ist.

Das Stadion heute

Die Alte Försterei steht heute an der Schwelle zur größten Veränderung ihrer Geschichte. Nach dem Erwerb des Stadiongrundstücks vom Berliner Senat ist der 1. FC Union Berlin inzwischen selbst Eigentümer von Grundstück und Stadion und kann die geplante Erweiterung auf eigenem Boden vorantreiben. Vorgesehen ist ein Umbau auf rund 40.000 Plätze zu Kosten von etwa 190 Millionen Euro, bei dem alle Tribünen außer der Haupttribüne erneuert werden sollen, während die charakteristischen offenen Ecken neben der Haupttribüne bewusst erhalten bleiben sollen – Union will damit ausdrücklich kein rundum geschlossenes Schüsselstadion nach dem Vorbild anderer moderner Arenen errichten.

Nach mehrfachen Verschiebungen des Zeitplans plant der Verein den Auszug aus der Alten Försterei für Dezember 2027; für die rund anderthalbjährige Bauzeit soll das Berliner Olympiastadion als Ausweichspielstätte dienen, bevor das modernisierte Stadion zu Beginn der Saison 2029/30 wiedereröffnet werden soll. Ergänzt werden soll die Anlage künftig durch ein unterirdisches Tunnelsystem, das Stadion, Trainingszentrum und Parkgarage technisch und betrieblich miteinander verbindet.

Bis zum Beginn dieser umfassenden Erweiterung bleibt die Alte Försterei mit ihrer kompromisslos fußballorientierten Architektur, der einzigartigen Fankultur mit Steckschild-Anzeige und Weihnachtssingen sowie ihrer für die Bundesliga außergewöhnlich hohen Stehplatzquote eines der unverwechselbarsten und traditionsreichsten Stadien im deutschen Profifußball.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:16 Uhr