Red Bull Arena

Leipzig  •  47.069 Plätze
Stadt
Leipzig
Adresse
Am Sportforum 3 Leipzig, Saxony
Kapazität
47.069 Plätze
Rasenart
Naturrasen
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Heimverein
RB Leipzig
1. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Die Geschichte der heutigen Red Bull Arena beginnt lange vor deren eigentlicher Erbauung, mit dem 1955/56 errichteten alten Zentralstadion Leipzig. Nach einem Beschluss von Januar 1955 begannen am 15. April 1955 die Bauarbeiten unter der Leitung des Architekten Karl Souradny; die Anlage entstand auf einem rund 900 Meter langen und 23 Meter hohen Erdwall, der aus etwa 1,5 Millionen Kubikmetern Trümmerschutt aufgeschüttet wurde – rund ein Drittel des gesamten Kriegsschutts der Stadt Leipzig. Eröffnet wurde das für 100.000 Zuschauer ausgelegte Stadion am 4. August 1956 mit der Partie SC Wismut Karl-Marx-Stadt gegen den ungarischen Klub Honvéd Budapest (0:3-Niederlage); als „Stadion der Hunderttausend“ war es fortan das größte Stadion der DDR.

1998 beschloss die Stadt Leipzig, das inzwischen stark sanierungsbedürftige alte Zentralstadion abzureißen und an gleicher Stelle ein reines Fußballstadion zu errichten. Ausschlaggebend war auch die Politik des damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun, der die deutsche Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an die Bedingung knüpfte, auch in den ostdeutschen Bundesländern Spielorte vorzusehen. Mit Planung, Bau und Betrieb wurde die EMKA Immobilien-Beteiligungs-GmbH des Unternehmers Michael Kölmel beauftragt. Den internationalen Architektenwettbewerb gewann das Büro Wirth+Wirth aus Leipzig und Basel gemeinsam mit Glöckner (Leipzig/Nürnberg) sowie Körber, Barton, Fahle (Freiburg); für die Tragwerksplanung des Dachs war IPL Ingenieurplanung Leichtbau aus Radolfzell am Bodensee zuständig, die Ausführungsplanung übernahm die Zech Planungs GmbH Leipzig.

Das alte Zentralstadion wurde 2000 abgerissen, wobei der prägende Wallring weitgehend erhalten blieb und das neue Stadion innerhalb dieser historischen Anlage errichtet wurde. Noch während der Bauphase, im Mai 2002, fand die Abschlussgala des Deutschen Turnfests auf der Baustelle statt. Das erste Fußballspiel im neuen Bau war am 7. März 2004 die Partie FC Sachsen Leipzig gegen die Amateure von Borussia Dortmund (0:1) vor 28.595 Zuschauern; die offizielle Eröffnung folgte am 16. und 17. Juli 2004 im Rahmen des ersten Internationalen Fußballturniers im Zentralstadion (IFiZ 2004) mit den Mannschaften Roter Stern Belgrad, Werder Bremen und dem FC Brügge. Die ursprünglich mit rund 90 Millionen Euro budgetierten Baukosten – getragen vom Bund (51 Millionen Euro), von Michael Kölmel (27 Millionen Euro) und der Stadt Leipzig (12 Millionen Euro) – stiegen letztlich um weitere 26 Millionen Euro (17 Millionen Euro von Kölmel, 9 Millionen Euro von der Stadt).

Architektur

Das prägendste architektonische Merkmal des neuen Stadions ist seine geschwungene, vierteilige Dachkonstruktion aus stählernen Trapezprofilen, bestehend aus zwei gegenüberliegenden Tribünendächern und zwei gebogenen Kurvendächern. Zwei nach außen geneigte, seilunterspannte Bogenträger tragen zusammen mit Quer- und Längsträgern die bis zu 17 Meter hohe Stahldachkonstruktion, die sämtliche Ränge stützenfrei überspannt. Im Innenraum verteilen sich die Sitzplätze auf 32 untere und 22 obere Blöcke in zwei Rängen.

Besonders ist die städtebauliche Einbindung: Das neue Stadion wurde vollständig innerhalb des historischen, aus Trümmerschutt aufgeschütteten Walls des alten Zentralstadions von 1956 errichtet, dessen äußere Erscheinung damit auch nach dem Neubau in Teilen erkennbar blieb; ein historischer Glockenturm auf dem Gelände wurde in die Umgebung des neuen Baus integriert. Im Zuge der Erweiterung 2019 bis 2021 wurde eigens ein „Walldurchstich“ auf der Südseite in Richtung dieses historischen Glockenturms realisiert, um zusätzliche Zugangswege zu schaffen.

Umbauten & Modernisierungen

Nach der Fertigstellung 2004 mit einer Kapazität von 44.345 Plätzen erfolgte 2015 eine erste größere Umbaumaßnahme, bei der VIP- und Pressebereiche erweitert wurden; dies reduzierte die Kapazität auf 42.959 Plätze. Im Dezember 2016 kündigte Red Bull an, das Stadion käuflich erwerben und auf bis zu 57.000 Plätze ausbauen zu wollen. Die tatsächlichen Bauarbeiten begannen im September 2019 und umfassten unter anderem die Sicherung der Wallhänge, die Sanierung von Treppenanlagen, den Bau einer neuen Zufahrt für Rettungsfahrzeuge, den bereits erwähnten „Walldurchstich“ auf der Südseite in Richtung des historischen Glockenturms sowie den Bau von vier neuen Fußgängerbrücken für den Zugang zu den oberen Rängen. Das Budget für diese Ausbaustufe belief sich auf rund 60 Millionen Euro.

Mit Abschluss der Arbeiten im August 2021 stieg die Kapazität für nationale Wettbewerbe auf 47.069 Plätze inklusive Stehplatzbereichen für Heim- und Gästefans, während für internationale Spiele mit reiner Sitzplatzpflicht 42.600 Plätze zur Verfügung standen. Im März 2021 hatte der Verein erklärt, dass diese Ausbaustufe für die kommenden Jahre die einzige größere Baumaßnahme bleiben solle. Im August 2024 wurde die Kapazität nochmals leicht auf 47.800 Plätze erhöht. Insgesamt hat sich die Kapazität damit von ursprünglich 44.345 Plätzen (2004–2015) über 42.959 Plätze (2015–2021) und 47.069 Plätze (2021–2024) bis zum heutigen Stand von 47.800 Plätzen (seit August 2024) mehrfach verändert.

Namensgeschichte

Von der Eröffnung des Neubaus 2004 bis Mitte 2010 trug das Stadion, in direkter Kontinuität zur alten Anlage von 1956, den Namen Zentralstadion. Im März 2010 stimmte der Leipziger Stadtrat einer Umbenennung zu, nachdem Michael Kölmel die Namensrechte für 30 Jahre an die Red Bull GmbH verkauft hatte; seit dem 1. Juli 2010 trägt die Arena offiziell den Namen Red Bull Arena. Das erste Spiel unter dem neuen Namen war am 24. Juli 2010 ein Freundschaftsspiel gegen den FC Schalke 04, das mit 1:2 verloren ging.

Während der Fußball-Europameisterschaft 2024 galt aufgrund der UEFA-Bestimmungen gegen kommerzielle Stadionnamen bei diesem Turnier die neutrale Bezeichnung „Stadion Leipzig“ anstelle von Red Bull Arena – eine Regelung, wie sie bei praktisch allen deutschen EM-Spielstätten mit Namenssponsoring 2024 angewendet wurde.

Zuschauerrekord & Kapazität

Das alte Zentralstadion von 1956 war mit einer Kapazität von 100.000 Plätzen zeitweise das größte Stadion der DDR und trug den Beinamen „Stadion der Hunderttausend“. Bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung wurde die Kapazitätsgrenze fünfmal überschritten; den bis heute dokumentierten Zuschauerrekord der alten Anlage markiert eine WM-Qualifikationspartie gegen die Tschechoslowakei im Oktober 1957 mit rund 110.000 Zuschauern. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Kapazität wegen zunehmender struktureller Mängel der Bausubstanz auf rund 40.000 Plätze reduziert, bevor die Anlage im Jahr 2000 abgerissen wurde.

Das 2004 eröffnete neue Stadion startete mit einer Kapazität von 44.345 Plätzen. Nach der Reduzierung 2015 auf 42.959 Plätze und der Erweiterung 2019 bis 2021 stieg die Kapazität auf 47.069 Plätze für nationale beziehungsweise 42.600 Plätze für internationale Wettbewerbe; seit August 2024 liegt die Kapazität bei 47.800 Plätzen. Damit hat sich die maximale Zuschauerzahl am Standort seit den 1950er-Jahren zwar mehr als halbiert, das Stadion zählt aber weiterhin zu den größeren Spielstätten der Bundesliga.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

In der DDR-Ära war das alte Zentralstadion siebenmal Austragungsort des Turn- und Sportfests der DDR sowie zahlreicher Leichtathletik- und Radsportveranstaltungen, Länderspiele der DDR-Nationalmannschaft und internationaler Vereinswettbewerbe wie Partien im Europapokal der Pokalsieger. Am neuen Standort war das Stadion 2005 mit drei Partien im Juni Austragungsort des FIFA-Konföderationen-Pokals, der als Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 diente; bei dieser WM selbst war Leipzig mit fünf Partien einer von zwölf deutschen Austragungsorten. Das erste offizielle Länderspiel im neuen Stadion fand am 17. November 2004 statt, als die deutsche Nationalmannschaft Kamerun mit 3:0 bezwang.

Zwischen 2005 und 2007 war das Stadion außerdem jährlicher Austragungsort des Finales des DFL-Ligapokals. Ein besonders emotionales Ereignis war das Abschiedsspiel von Michael Ballack am 5. Juni 2013, bei dem eine Weltauswahl „Ballack & Friends“ mit 4:3 bezwang; das Spiel fand trotz der Flutkatastrophe in Sachsen im Juni 2013 statt, die Einnahmen kamen den Flutopfern zugute. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 wurden im als „Stadion Leipzig“ bezeichneten Bau zwischen dem 18. und 23. Juni 2024 vier Gruppenspiele ausgetragen.

Sonstige Nutzung

Neben dem Fußball hat sich die Arena über die Jahre auch als bedeutende Konzertlocation etabliert. Zu den Künstlern, die hier auftraten, zählen Paul McCartney (2004), Herbert Grönemeyer (2007, 2011, 2015, 2023), Genesis (2007), Bon Jovi (2008), Depeche Mode (2009, 2013), AC/DC (2009, 2016), Mario Barth (2011), Udo Lindenberg (2012, 2016), Coldplay (2012, 2017), Bruce Springsteen (2013), Helene Fischer (2015, 2018), Rammstein (2022) und Peter Maffay im Rahmen seiner Abschiedstournee 2024.

Darüber hinaus war die Arena Schauplatz religiöser und kirchlicher Großveranstaltungen: Vom 21. bis 23. Juli 2006 fand hier ein regionaler Kongress der Zeugen Jehovas statt, und am 1. Juni 2008 wurde im Rahmen eines evangelischen Kirchentags ein Abschlussgottesdienst mit einem Bläserfest gefeiert, bei dem mit dem größten je zusammengestellten Blasorchester ein Weltrekord aufgestellt wurde.

Das Stadion heute

Seit 2010 ist die Red Bull Arena die Heimspielstätte des Bundesligavereins RB Leipzig, der 2009 unter Nutzung der Spielrechte des SSV Markranstädt gegründet wurde und seither eng mit dem österreichischen Getränkekonzern Red Bull verbunden ist – ein Umstand, der die kommerzielle Namensgebung des Stadions seit 2010 unmittelbar erklärt. Mit einer aktuellen Kapazität von 47.800 Plätzen zählt die Arena zu den größeren Spielstätten der Bundesliga und war zuletzt regelmäßig Austragungsort von Champions-League- und Europa-League-Partien sowie 2024 von vier Spielen der Fußball-Europameisterschaft.

Verkehrlich ist das Stadion über mehrere Straßenbahnlinien (3/3E, 4, 7, 8, 15) sowie an Spieltagen über zusätzliche Eventlinien (51, 56) angebunden, die Park-and-Ride-Plätze direkt mit der Arena verbinden. Die bauliche Erweiterung von 2019 bis 2021 gilt nach Aussage des Vereins als vorerst letzte große Ausbaustufe; weitere grundlegende Kapazitätserhöhungen über die im August 2024 erreichten 47.800 Plätze hinaus sind derzeit nicht angekündigt. Damit bleibt die Red Bull Arena, aufgebaut auf dem geschichtsträchtigen Gelände des einstigen „Stadions der Hunderttausend“, ein zentraler Sport- und Veranstaltungsort im Osten Deutschlands.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:11 Uhr