Merck-Stadion am Böllenfalltor

Darmstadt  •  16.500 Plätze
Stadt
Darmstadt
Adresse
Nieder-Ramstädter Straße 170
Kapazität
16.500 Plätze
Rasenart
Naturrasen
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Heimverein
Darmstadt 98
2. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Die Ursprünge des Stadions am Böllenfalltor reichen in die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Nach der 1919 vollzogenen Fusion der Vereine FK Olympia Darmstadt und SC 05 Darmstadt zum SV Darmstadt 98 entstand am heutigen Standort im Stadtteil Bessungen eine neue Sportanlage, die 1921 im Rahmen einer Festwoche zum 21. Verbandstag des Süddeutschen Fußball-Verbandes eröffnet wurde. Das Eröffnungsspiel am 24. Juli 1921 gewann der SV 98 mit 4:1 gegen Helvetia Frankfurt.

Die Baukosten der ursprünglichen Anlage lagen bei rund 240.000 Reichsmark und wurden gemeinsam vom Verein und von der Stadt Darmstadt getragen, unter Einbindung städtischer Programme zur Beschäftigung von Arbeitslosen. Das Stadion fasste zunächst rund 8.000 Zuschauer und verfügte über eine 380 Meter lange Aschenbahn sowie ein Spielfeld von 65 mal 105 Metern.

Während der amerikanischen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg requirierten die Besatzungstruppen die Anlage im April 1946 zur Nutzung als Baseballfeld, sodass der SV 98 sie erst 1950 wieder für den regulären Spielbetrieb zurückerhielt – der Beginn eines mehrjährigen Wiederaufbaus in den frühen 1950er Jahren.

Architektur

Der Wiederaufbau des Stadions zwischen 1950 und 1953 erfolgte unter der Leitung von Vereinsfunktionär Peter Grund maßgeblich unter Verwendung von Trümmerschutt zerbombter Gebäude, ein für die westdeutsche Nachkriegszeit typisches Bauverfahren. Bis 1952 wuchs die Kapazität auf rund 25.000 Zuschauer, wobei Laufbahn und Tribünendach erst 1953 vollständig fertiggestellt wurden.

1975 wurde die alte, hölzerne Haupttribüne abgerissen und durch eine moderne Tribüne mit 4.000 überdachten Sitzplätzen ersetzt; die Baukosten betrugen 3,2 Millionen D-Mark, die Eröffnung erfolgte am 8. November 1975. Vor dem Gästebereich wurde damals zusätzlich ein Zaun errichtet.

Die jüngste, grundlegende architektonische Neugestaltung erstreckte sich von 2017 bis 2023 unter Federführung des Büros "1100: Architekten Riehm Piscuskas". In drei Bauabschnitten wurden nacheinander Gegengerade, Hauptgerade sowie Nord- und Südkurve erneuert, wobei der historische, denkmalgeschützt anmutende Charakter der innerstädtischen Anlage bewusst erhalten blieb und zugleich die baulichen Anforderungen der Lizenzligen erfüllt wurden. Beide neuen Tribünenbauten erhielten Photovoltaikanlagen zur nachhaltigen Energieerzeugung. Die neue Haupttribüne verfügt über rund 900 bis 1.000 Business-Sitzplätze sowie etwa 19 bis 30 Logen mit insgesamt 264 Plätzen.

Umbauten & Modernisierungen

Im Zuge der Bundesliga-Aufstiegsvorgaben des DFB wurde die Anlage 1978 durch eine Verlängerung der Gästetribüne (36 zusätzliche Sitzreihen auf 12 Meter Höhe) und den Ausbau der Kurvenbereiche auf eine Kapazität von rund 30.000 Plätzen erweitert. 1981, nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, wurde für 1,8 Millionen D-Mark eine Flutlichtanlage installiert, die bis heute als charakteristisches Merkmal des Stadions gilt. 1982 kam eine Anzeigetafel mit Uhr des Herstellers Dugena hinzu.

Eine grundlegende städtische Untersuchung zur Zukunft des Stadions, in Auftrag gegeben im Oktober 2012, empfahl eine Sanierung anstelle eines Stadionneubaus an anderer Stelle. Darauf aufbauend startete 2014 eine erste Modernisierungsphase mit einem Budget von 2,2 Millionen Euro, in deren Zuge das Spielfeld vergrößert, eine Rasenheizung installiert und die Laufbahn entfernt wurde; die Kapazität sank dadurch zunächst auf 16.500 Plätze. Am 15. Februar 2015 wurde eine vom Sponsor Merck mit 100.000 Euro finanzierte, 30 Quadratmeter große LED-Videowand installiert.

Nach dem Aufstieg in die Bundesliga 2015 wurde Hawk-Eye-Torlinientechnik eingebaut, und im Herbst 2016 kamen mobile Stahltribünen an Nord- und Südkurve hinzu, die die Kapazität auf 17.468 Plätze erhöhten (Südtribüne 3.698 Stehplätze, Nordtribüne 2.812 überdachte Sitzplätze).

Der bislang größte Umbauzyklus begann im Januar 2018, als die eigens gegründete Tochtergesellschaft "SV 98 Stadion GmbH" den Betrieb der Anlage bis 2058 übernahm. Am 10. Dezember 2018 wurde die Gästetribüne abgerissen und durch einen Neubau mit 8.389 Plätzen (davon 5.500 Stehplätze, 2.889 Sitzplätze, darunter 1.731 Gästeplätze) ersetzt, der Anfang 2020 fertiggestellt wurde. Der Umbau der Haupttribüne begann am 1. März 2021 mit einem Spatenstich; die ersten 1.350 Sitzplätze gingen im Oktober 2022 in Betrieb, die vollständige Fertigstellung erfolgte Anfang 2023. Die neue Haupttribüne kostete rund 26,7 Millionen Euro und bietet Platz für 2.900 reguläre Zuschauer sowie zusätzlich rund 1.150 VIP-Plätze.

Seit Abschluss aller Maßnahmen im März 2023 fasst das Stadion insgesamt 17.810 Zuschauer, aufgeteilt in 8.678 Sitzplätze und 9.132 Stehplätze. Die Gesamtkosten des Umbauprogramms von 2017 bis 2023 belaufen sich auf rund 46,7 Millionen Euro, getragen von der Stadt Darmstadt (bis zu 21 Millionen Euro), dem Verein selbst und dem Land Hessen (3,5 Millionen Euro).

Namensgeschichte

Das Stadion trug ursprünglich schlicht den geografischen Namen "Stadion am Böllenfalltor", nach der angrenzenden Straße beziehungsweise Örtlichkeit im Stadtteil Bessungen. Von 1970 bis 1998 war zusätzlich der Name des damaligen langjährigen Vereinsfunktionärs in Gebrauch, bevor ab den 2010er Jahren mit dem Wiederaufstieg des SV Darmstadt 98 in den Profifußball eine kommerzielle Namensvergabe an das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck erfolgte.

Seit Juli 2014 trägt das Stadion den Namen "Merck-Stadion am Böllenfalltor"; Merck sicherte sich die Namensrechte für rund 300.000 Euro jährlich, zunächst für fünf Jahre. Der Vertrag wurde in der Folge verlängert und lief laut Berichten vom August 2023 bis mindestens 2028 weiter, wobei ausdrücklich Wert darauf gelegt wurde, dass der traditionelle Namensbestandteil "am Böllenfalltor" erhalten bleibt.

Eine besondere Ausnahme bildete die Bundesliga-Saison 2016/17: Zum Gedenken an einen 2016 verstorbenen Fan verzichtete Merck vorübergehend auf seine Namensrechte, sodass das Stadion für diese eine Saison offiziell "Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor" hieß. Seit der Saison 2017/18 trägt die Südtribüne dauerhaft den Namen "Jonathan-Heimes-Kurve" zu Ehren des Fans.

Zuschauerrekord & Kapazität

In der Bundesliga-Saison 1978/79 erreichte der SV Darmstadt 98 im Schnitt rund 16.841 Zuschauer, in der Saison 1981/82 rund 15.000. Das mit Abstand am häufigsten zitierte Einzelspiel-Rekordspiel fand am 15. August 1981 statt, als der SV 98 vor offiziell gemeldeten 30.000 Zuschauern mit 2:1 gegen den FC Bayern München verlor; Schätzungen zufolge dürften tatsächlich bis zu 32.000 Menschen im Stadion gewesen sein, was bis heute als unangefochtener Besucherrekord der Anlage gilt.

Nach Jahren im Amateur- und unteren Profifußball sank der Zuschauerschnitt deutlich, etwa in der Regionalliga-Saison 1995/96 auf lediglich rund 2.545 – den historischen Tiefpunkt. Mit dem sportlichen Wiederaufstieg stiegen die Zahlen erneut: in der Saison des Drittliga-Aufstiegs 2011/12 auf über 6.000, 2013/14 auf nahezu 7.000, in der Zweitliga-Saison 2014/15 auf rund 14.000 und in den beiden Bundesliga-Spielzeiten 2015/16 und 2016/17 auf jeweils über 16.000 im Schnitt. In der Zweitliga-Saison 2022/23 kamen im Schnitt 15.685 Zuschauer pro Spiel (266.649 Zuschauer insgesamt).

Die bauliche Kapazität hat sich von rund 8.000 Plätzen bei der Eröffnung 1921 über 25.000 nach dem Wiederaufbau der 1950er Jahre und 30.000 nach dem Ausbau von 1978 auf zwischenzeitlich nur noch 16.500 Plätze während der Modernisierung ab 2014 verringert, bevor sie durch die umfassende Erneuerung 2017 bis 2023 wieder auf die aktuelle Kapazität von 17.810 Plätzen anstieg.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

Das prägendste Einzelspiel der Stadiongeschichte bleibt die Bundesliga-Partie vom 15. August 1981 gegen den FC Bayern München, die der SV Darmstadt 98 vor der bis heute rekordverdächtigen Zuschauerzahl von offiziell 30.000 (schätzungsweise real bis zu 32.000) Besuchern mit 2:1 verlor – ein Beleg für die enorme Anziehungskraft des kurz zuvor erstmals erreichten Bundesliga-Aufstiegs.

Mit dem erneuten, überraschenden Bundesliga-Aufstieg zur Saison 2015/16 kehrte erstklassiger Fußball nach jahrzehntelanger Pause an den Böllenfalltor zurück; das Stadion wurde in diesem Zusammenhang mit Hawk-Eye-Technik sowie zusätzlichen mobilen Tribünen für den gestiegenen Bedarf an Zuschauerkapazität nachgerüstet. Über die reinen Ligaspiele hinaus haben regelmäßige DFB-Pokal-Partien und Duelle mit größeren Traditionsvereinen das Stadion immer wieder zum Schauplatz überdurchschnittlich gut besuchter Spiele gemacht.

Sonstige Nutzung

Das Stadion am Böllenfalltor war wiederholt Schauplatz großer Musikveranstaltungen. Am 23. August 1981 traten im Rahmen des vierten "Golden Summernight Festival" die Bands Motörhead und Iron Maiden vor mehr als 46.000 Besuchern auf. Im Juli 2003 eröffnete Elton John dort die Konzertreihe des Darmstädter Residenzfestivals, und im Juli 2004 spielten Die Ärzte und die Beatsteaks beim Open-Air-Festival "Unrockstar" im Stadion.

Darüber hinaus dient die Anlage als Ort des Gedenkens: Am 5. Februar 2024 wurde am Stadion eine Stolperschwelle zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus eingeweiht, und am 26. Januar 2025 wurde die "Hans-Kessler-Kurve" mit 28 zusätzlichen Stehplätzen eröffnet.

Das Stadion heute

Seit Januar 2018 wird der Betrieb des Stadions von der eigens gegründeten Tochtergesellschaft "SV 98 Stadion GmbH" verantwortet, die die Anlage bis mindestens 2058 betreibt. Nach Abschluss der umfassenden Erneuerung 2023 verfügt das Merck-Stadion am Böllenfalltor über eine Kapazität von 17.810 Plätzen (8.678 Sitz- und 9.132 Stehplätze) und erfüllt damit die baulichen Anforderungen für die 1. bis 3. Fußball-Liga, während zugleich der traditionelle, innerstädtische Charakter der über hundertjährigen Anlage bewahrt wurde.

Die Lage am östlichen Rand des Stadtteils Bessungen, unmittelbar an der Straßenbahnlinie 2 mit eigener Haltestelle "Merck-Stadion", sorgt für eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, während die begrenzte Zahl von rund 400 Parkplätzen der dichten Wohnbebauung im benachbarten Paulusviertel sowie der Nähe zu weiteren Sportanlagen wie dem Hochschulstadion der TU Darmstadt und mehreren Tennisplätzen Rechnung trägt. Der Namenssponsor Merck sicherte sich die Namensrechte zuletzt bis mindestens 2028, wobei stets betont wird, dass der historische Namensbestandteil "am Böllenfalltor" erhalten bleiben soll – ein Zeichen für den besonderen, traditionsbewussten Umgang mit einer der ältesten noch genutzten Fußballspielstätten Deutschlands.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:26 Uhr