Max-Morlock-Stadion

Neurenberg  •  50.000 Plätze
Stadt
Neurenberg
Adresse
Max-Morlock-Platz 1
Kapazität
50.000 Plätze
Rasenart
Naturrasen
Auf der Karte anzeigen →
Heimverein
Nürnberg
2. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Das heutige Max-Morlock-Stadion geht auf das 1925 bis 1928 errichtete „Städtische Stadion“ im Nürnberger Stadtteil Zerzabelshof zurück, direkt neben dem späteren Reichsparteitagsgelände am Dutzendteich. Die Gesamtplanung der Anlage stammte von Alfred Hensel, der für seinen Entwurf bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam im dort noch ausgetragenen Kunstwettbewerb für Architektur mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde; die konkrete bauliche Umsetzung, insbesondere der markante Sitzplatzbau, wird dem Nürnberger Stadtbaurat Otto Ernst Schweizer zugeschrieben. Der achteckige Grundriss, der bis heute das Erscheinungsbild des Stadions prägt, wurde bereits in dieser ersten Bauphase festgelegt.

Mit einer Kapazität von rund 50.000 Zuschauern galt das Städtische Stadion bei seiner Eröffnung 1928 als eine der größten und modernsten Sportanlagen der Welt. Die im Stil des Bauhaus errichtete Sitzplatztribüne bot rund 2.600 Plätze und steht bis heute unter Denkmalschutz. Eröffnet wurde die Anlage mit einem Fußballspiel zwischen Stadtauswahlmannschaften Nürnbergs und Fürths, das die Fürther durch ein Tor von Leonhard Seiderer mit 1:0 für sich entschieden.

1. FC Nürnberg selbst zog erst 1963, zeitgleich mit der Einführung der Bundesliga, vom bis dahin genutzten Zabo-Stadion an den Dutzendteich um. In den Jahren zuvor war die Anlage bereits mehrfach genutzt und verändert worden, unter anderem durch die US-Armee, die das Gelände nach 1945 unter dem Namen „Victory Stadium“ als Sportstätte, unter anderem für Baseball, betrieb.

Architektur

Charakteristisch für das Stadion ist bis heute der 1928 angelegte achteckige Grundriss, der bei allen späteren Umbauten erhalten blieb und die Anlage von vielen jüngeren, rein rechteckigen Fußballarenen unterscheidet. Die Bauhaus-Tribüne aus der Gründerzeit blieb in ihrer äußeren Form erhalten und ist denkmalgeschützt, während die übrigen Tribünenteile im Laufe der Jahrzehnte mehrfach erneuert wurden.

Die einschneidendste architektonische Überarbeitung erfolgte zwischen 2002 und 2005 im Vorgriff auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 unter Beteiligung des Düsseldorfer Büros HPP Hentrich-Petschnigg & Partner. Dabei wurde das Spielfeld um rund 1,3 bis 1,5 Meter abgesenkt, um bessere Sichtachsen von den unteren Tribünenrängen zu ermöglichen; zusätzlich wurden die Eckbereiche der Nordwest- und Südwesttribüne aufgestockt, zwei weitere Sitzreihen ergänzt und die Bestuhlung von Gelb auf Rot umgestellt. Neue VIP-Bereiche, verbesserte Zugangskontrollen und zusätzliche Gastronomieflächen kamen hinzu.

Eine bauliche Besonderheit, die das Stadion bis in die Gegenwart von vielen anderen großen deutschen Fußballstadien unterscheidet, ist der Erhalt der umlaufenden Leichtathletik-Laufbahn, die das Spielfeld weiterhin von den Tribünen trennt – eine der wenigen verbliebenen Anlagen dieser Größenordnung in Deutschland mit dieser Konstellation. Erst die für die 2020er Jahre geplante Generalsanierung soll diese Laufbahn entfernen und die Tribünen näher an das Spielfeld heranführen.

Umbauten & Modernisierungen

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Anlage zunächst der US-Armee als „Victory Stadium“, bevor sie 1961 wieder unter dem alten Namen Städtisches Stadion dem zivilen Fußballbetrieb zurückgegeben wurde. Die erste umfassende Modernisierung der Nachkriegszeit erfolgte ab 1987 und führte 1991 zur Wiedereröffnung unter dem neuen Namen Frankenstadion, mit einer Kapazität von rund 53.462 Plätzen (etwa 31.000 Sitz- und 22.462 Stehplätze); im Zuge dieser Bauarbeiten kam es zum Teileinsturz der alten Haupttribüne aus dem Baujahr 1928.

Die nächste große Umbauphase (2002–2005) diente der Vorbereitung auf die WM 2006 und kostete nach übereinstimmenden Angaben rund 56 Millionen Euro. Nach Abschluss der Arbeiten am 24. April 2005 standen für internationale Spiele rund 44.308 überdachte Sitzplätze zur Verfügung, für den regulären Ligabetrieb rund 47.500 Plätze (davon etwa 39.700 Sitz- und 7.800 Stehplätze).

In der Winterpause 2009/10 wurden die Blöcke 1 und 3 von Sitz- in Stehplätze umgewandelt, wodurch die Kapazität auf rund 48.553 Plätze stieg. Im Sommer 2012 wurde die Südkurve nochmals erweitert, seither liegt die reguläre Kapazität bei rund 50.000 Plätzen. Am 19. Juni 2024 beschloss der Nürnberger Stadtrat eine umfassende Generalsanierung des Stadions: Der achteckige Grundriss soll erhalten bleiben, die Laufbahn jedoch entfernt und die Tribünen näher an das Spielfeld herangeführt werden, wodurch auch mehr Stehplatzkapazität entstehen soll. Die geschätzten Kosten liegen bei knapp 300 Millionen Euro, getragen unter anderem durch je 30 Millionen Euro von Stadt und Verein sowie Kreditfinanzierung über künftige Stadioneinnahmen.

Namensgeschichte

Von der Eröffnung 1928 bis 1945 trug die Anlage den Namen Städtisches Stadion, danach firmierte sie unter der Regie der US-Armee als Victory Stadium (1945–1961), bevor sie 1961 wieder als Städtisches Stadion firmierte. Mit der Modernisierung 1987–1991 erhielt die Anlage den Namen Frankenstadion, unter dem sie bis 2006 bekannt war.

Am 15. beziehungsweise 14. März 2006 sicherte sich die Teambank/Norisbank (unter der Dachmarke easyCredit) für zunächst fünf Jahre die Namensrechte, wodurch aus dem Frankenstadion das easyCredit-Stadion wurde; während der WM 2006 selbst musste aus FIFA-Vermarktungsgründen jedoch weiterhin die Bezeichnung Frankenstadion verwendet werden. Bereits am 1. April 2006 initiierten die Ultras Nürnberg eine symbolische Umbenennungsaktion zu Ehren des Club-Rekordspielers Max Morlock, um gegen den aus ihrer Sicht unwürdigen Sponsorennamen zu protestieren.

Nach Auslaufen des easyCredit-Vertrags zum 30. Juni 2012 trug die Anlage übergangsweise den neutralen Namen Stadion Nürnberg, bevor sie am 14. Februar 2013 als Grundig-Stadion (nach dem Nürnberger Elektronikunternehmen Grundig Intermedia) firmierte – dieser Vertrag lief zum 30. Juni 2016 aus, wonach erneut kurzzeitig der Name Stadion Nürnberg verwendet wurde. Seit dem 1. Juli 2017 heißt die Anlage offiziell Max-Morlock-Stadion. Der Namenswechsel wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne über Startnext begleitet, die bei einem Ziel von 800.000 Euro rund 330.000 Euro einsammelte; den verbleibenden Betrag von etwa 2,4 Millionen Euro übernahm die Consorsbank als Sponsor. Der Steuerberatungs- und Softwarekonzern DATEV verlängerte die entsprechende Namensvereinbarung später um weitere zweieinhalb Jahre, sodass der Name Max-Morlock-Stadion mindestens bis 2026 gesichert ist.

Zuschauerrekord & Kapazität

Der offizielle Zuschauerrekord des Stadions stammt vom 30. Mai 1971: Beim Spiel gegen Fortuna Düsseldorf sollen rund 75.000 Menschen die Anlage besucht haben, wobei die Zuschauer damals auch die umlaufende Laufbahn besetzten. Diese Zahl übertrifft die offizielle bauliche Kapazität jener Zeit deutlich und spiegelt die in den 1970er Jahren noch verbreitete Praxis massiver Überfüllung wider.

Die bauliche Kapazität entwickelte sich seither wellenförmig: von rund 50.000 bei Eröffnung 1928 über 53.462 nach dem Umbau 1991, auf 44.308 (international) beziehungsweise 47.500 (Liga) nach dem WM-Umbau 2005, auf 48.553 nach der Umwandlung von Sitz- in Stehplätzen im Winter 2009/10, bis zu den heute gültigen rund 50.000 Plätzen nach der Erweiterung der Südkurve 2012.

Abseits des Männerfußballs hält das Stadion weitere bemerkenswerte Zuschauerzahlen: Beim DEL Winter Game (Eishockey) am 5. Januar 2013 verfolgten rund 50.000 Zuschauer die Partie unter freiem Himmel – zu diesem Zeitpunkt ein europäischer Rekord für ein Freiluft-Eishockeyspiel. Im Frauenfußball wurde mit 17.302 Zuschauern beim DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den VfL Wolfsburg im Februar 2023 ein Vereinsrekord aufgestellt.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

Bereits in den ersten Jahren nach der Eröffnung war das Stadion Schauplatz überregional bedeutender Partien, darunter 1929 ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. 1934 fanden im Rahmen der nationalsozialistischen Propaganda die „Reichskampfspiele“ mit Wettbewerben vom 23. bis 29. Juli in der Anlage statt.

International wichtige Höhepunkte waren das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger 1966/67 zwischen den Glasgow Rangers und dem FC Bayern München, das die Bayern mit 1:0 gewannen, sowie sechs Partien des olympischen Fußballturniers 1972. Im Rahmen der FIFA-Konföderationen-Pokal-Vorbereitung auf die WM fanden 2005 drei Spiele des Confederations Cup statt.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war das damalige Frankenstadion Austragungsort von fünf WM-Partien der Vorrunde und des Achtelfinales, darunter das als „Schlacht von Nürnberg“ bekannt gewordene Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden am 25. Juni 2006, das die Portugiesen mit 1:0 gewannen und das durch eine Rekordzahl an Karten (unter anderem vier Platzverweise) in die Fußballgeschichte einging. Zudem war das Stadion mehrfach Schauplatz Deutscher Leichtathletik-Meisterschaften, unter anderem 1948, 2008, 2015 und 2018.

Sonstige Nutzung

Seit 1997 ist das Stadion die traditionelle Hauptbühne des Musikfestivals Rock im Park, eines der größten Rockfestivals Deutschlands; während der Umbauarbeiten zur WM 2006 musste das Festival zwischen 2004 und 2007 auf das benachbarte Zeppelinfeld ausweichen. Bereits 1984 fand mit der Monsters-of-Rock-Tour ein großes Rockkonzert in der Anlage statt; später folgten unter anderem ein Konzert von AC/DC am 29. Juni 2001 und ein Auftritt von P!nk am 15. Juli 2010.

Als seltenes Beispiel für Wintersport-Events in einem Fußballstadion fand am 5. Januar 2013 im Rahmen der DEL das „Winter Game“ statt, ein Eishockey-Freiluftspiel vor rekordverdächtigem Publikum.

Das Stadion diente auch als Filmkulisse, unter anderem für Teile des 2021 erschienenen Kinofilms „Wochenendrebellen“ mit Florian David Fitz in der Hauptrolle.

Das Stadion heute

Das Max-Morlock-Stadion ist bis heute die Heimspielstätte der Männer-, Frauen- und Zweitmannschaft des 1. FC Nürnberg. Es zählt zu den wenigen großen deutschen Stadien, die noch über eine umlaufende Leichtathletik-Laufbahn verfügen, was die Nähe der Zuschauer zum Spielfeld einschränkt und seit Jahren Anlass für Modernisierungsdebatten ist.

Am 19. Juni 2024 fasste der Nürnberger Stadtrat den Grundsatzbeschluss für eine umfassende Neugestaltung der Anlage: Der historische achteckige Grundriss soll erhalten bleiben, die Laufbahn jedoch weichen, damit die Tribünen näher an das Spielfeld heranrücken und zugleich mehr Stehplatzkapazität entsteht. Die Kosten werden auf knapp 300 Millionen Euro veranschlagt, unter anderem finanziert über Beiträge von Stadt und Verein sowie über eine Kreditfinanzierung, die aus künftigen Stadioneinnahmen zurückgezahlt werden soll.

Der Name Max-Morlock-Stadion, seit 2017 in Kraft und aktuell durch eine Namensrechtsvereinbarung mit dem Unternehmen DATEV mindestens bis 2026 gesichert, würdigt weiterhin den 1996 verstorbenen Club-Rekordspieler und Weltmeister von 1954, Max Morlock, der als einer der bedeutendsten Spieler in der Vereinsgeschichte des 1. FC Nürnberg gilt.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:21 Uhr