HDI Arena

Hannover  •  49.200 Plätze
Stadt
Hannover
Adresse
Robert-Enke-Str. 3
Kapazität
49.200 Plätze
Rasenart
Naturrasen
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Heimverein
Hannover 96
2. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Die Anlage am Maschsee wurde nach Plänen der Architekten Heinz Goesmann und Richard Konwiarz unter der Federführung des Hannoveraner Stadtplaners Rudolf Hillebrecht zwischen 1952 und 1954 errichtet. Für die Gründung kamen Frankipfähle zum Einsatz; für den Bau des Erdwalls der Westtribüne wurde Trümmerschutt aus im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hannoveraner Gebäuden verwendet. Die Baukosten beliefen sich auf rund 4 Millionen D-Mark.

Am 26. September 1954 wurde das Stadion als "Niedersachsenstadion" eröffnet. Mit einer Kapazität von 86.656 Plätzen auf Ober- und Unterrang war es nach dem Berliner Olympiastadion das zweitgrößte Stadion der jungen Bundesrepublik. Das Eröffnungsspiel gewann Hannover 96 gegen den SV Arminia Hannover mit 1:0 durch ein Tor von Hannes Tkotz; im September 1954 fand zudem das erste Länderspiel im neuen Stadion statt, ein Vergleich gegen Frankreich. Regelmäßige Bundesliga-Heimspiele trug Hannover 96 dort allerdings erst ab 1959 aus, nachdem der Verein zuvor im Eilenriedestadion gespielt hatte.

Architektur

Das ursprüngliche Stadion folgte dem Konzept eines "äußeren" und "inneren" Stadions mit Ober- und Unterrang, hohen, an Zahnbürsten erinnernden Flutlichtmasten, einer integrierten Leichtathletikanlage und einer dominanten Westtribüne mit weit auskragendem Dach; bis zum Umbau der Jahre 2003/04 war die Anlage zu rund 60 Prozent unüberdacht.

Im Zuge der Modernisierung für die WM 2006 wurde die Anlage komplett überdacht, wobei lediglich der riesige Erdwall der Westtribüne mit knapp 20.000 Plätzen erhalten blieb. Die Kombination aus flacher, unveränderter Westtribüne und einer möglichst steil errichteten neuen Osttribüne führte zu einer bewusst asymmetrischen Architektur, bei der sich die Neigung der Kurventribünen von West nach Ost graduell verstärkt. Das neue Dach besteht aus zwei Ringen: einem mit Trapezblech gedeckten Außenring und einem mit ETFE-Folie bespannten Innenring, der über 90 Prozent des UV-A- und UV-B-Lichts durchlässt und dadurch eine bessere Rasenpflege ermöglicht als bei stärker geschlossenen Stadien wie dem Dortmunder Westfalenstadion. Die früheren Flutlichtmasten wurden durch 160 in die Dachkonstruktion integrierte moderne Einzelscheinwerfer mit einer Beleuchtungsstärke von 1.500 Lux ersetzt.

Umbauten & Modernisierungen

Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 wurde die Anlage 1972 für rund 26 Millionen D-Mark umgebaut: Der Oberrang der Westtribüne wurde von Steh- auf Sitzplätze umgestellt und überdacht, wodurch die Kapazität auf 60.400 Plätze (davon 38.000 Sitzplätze) sank. Für die Fußball-Europameisterschaft 1988 folgten weitere, kleinere Anpassungen.

1994 wurden die Holzbänke der Osttribüne durch Einzelklappsitze ersetzt und 8.000 Stehplätze im Block G der Südkurve in Schalensitze umgewandelt, wodurch die Kapazität auf rund 56.000 sank. Zwischen 1998 und 2000 erfolgte die erste Phase einer auf insgesamt 68 Millionen D-Mark veranschlagten zweiteiligen Sanierung; die im Mai 2000 abgeschlossene erste Phase kostete 13,5 Millionen D-Mark und führte durch den Einbau von Rollstuhlfahrerplätzen und die weitere Umwandlung von Bänken und Stehplätzen zu einer Kapazität von rund 50.000.

Nach dem Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde die Anlage zwischen 2003 und 2005 grundlegend umgebaut: Rund 70 Prozent des Stadions, darunter auch erst 1999/2000 sanierte Bereiche, wurden abgerissen und durch eine reine Fußballarena mit durchgängiger Überdachung ersetzt. Die Gesamtkosten betrugen rund 63,04 Millionen Euro, wovon rund 21,47 bis 23,17 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln finanziert wurden. Betrieben wird die Arena seither über ein Konzessionsmodell mit der eigens gegründeten Niedersachsenstadion Projekt- und Betriebsgesellschaft mbH & Co KG (später Hannover 96 Arena GmbH & Co KG), die Nutzungsrechte bis 2030 hält. Wiedereröffnet wurde das Stadion am 23. Januar 2005 mit einem 0:3 gegen Bayer 04 Leverkusen; die neue Kapazität lag bei rund 49.000 Plätzen, darunter rund 8.000 Stehplätze, die für internationale Spiele in 4.000 Sitzplätze umgewandelt werden können. Während der WM 2006 selbst wurden sämtliche Stehplätze in Sitzplätze umgewandelt, was die Kapazität auf 43.000 reduzierte; für Länderspiele Hannover 96s lag die Kapazität 2011/12 bei 44.000.

Im Sommer 2015 wurden rund 200 Sitzplätze im oberen Mittelbereich der Nordtribüne in 400 Stehplätze umgewandelt – ein Entgegenkommen der Geschäftsführung an protestierende Ultra-Gruppen, das sich wegen ausstehender Baugenehmigungen bis September 2015 verzögerte. Im Sommer 2018 wurden die seit 2004 genutzten Videowände (43 Quadratmeter, 64.000 LEDs, Format 4:3) durch neue, 64 Quadratmeter große hochauflösende Anzeigetafeln mit 636.000 LEDs im Format 16:9 ersetzt.

Namensgeschichte

Von der Eröffnung 1954 bis 2002 trug das Stadion den Namen "Niedersachsenstadion"; unter Fans wird dieser traditionelle Name bis heute häufig verwendet. Von 2002 bis 2013 sicherte sich der Finanzdienstleister AWD die Namensrechte ("AWD-Arena"), zunächst für fünf Jahre, 2007 verlängert bis 2013 und im Januar 2012 um ein weiteres Jahr erweitert; der AWD-Nachfolger Swiss Life verzichtete am 13. Februar 2013 auf eine weitere Verlängerung. Während des FIFA-Konföderationen-Pokals 2005 und der WM 2006 musste die Anlage wegen der FIFA-Werberichtlinien vorübergehend als "FIFA WM-Stadion Hannover" firmieren.

Von Juli 2013 bis zum 30. Juni 2022 hieß die Arena "HDI Arena", benannt nach dem Versicherungskonzern HDI-Gruppe, der zunächst einen Sieben-Jahres-Vertrag ab Juli 2013 abschloss, im November 2019 bis zum 30. Juni 2022 verlängerte und im September 2021 seinen Rückzug als Namenssponsor ankündigte. Seit dem 1. Juli 2022 trägt die Anlage bis zum 30. Juni 2027 den Namen "Heinz-von-Heiden-Arena", benannt nach dem Fertighausanbieter Heinz von Heiden Massivhäuser.

Zuschauerrekord & Kapazität

Mit ursprünglich 86.656 Plätzen war das Niedersachsenstadion bei seiner Eröffnung 1954 nach dem Berliner Olympiastadion das zweitgrößte Stadion der alten Bundesrepublik. Durch die sukzessiven Umbauten der folgenden Jahrzehnte – von 60.400 Plätzen 1972 über rund 56.000 (1994) und rund 50.000 (2000) bis zur kompletten Neuerrichtung 2003 bis 2005 – sank die Kapazität auf die heutigen rund 49.000 überdachten Plätze. Als Konzertstätte verzeichnete das Stadion beim Auftritt der Rolling Stones 1982 rund 66.000 Besucher, und die vier aufeinanderfolgenden Konzerte von Phil Collins 1994 zogen mit insgesamt rund 240.000 Besuchern die größte kumulierte Zuschauerzahl einer Konzertreihe an der Arena an.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 wurden im Niedersachsenstadion vier Partien ausgetragen, darunter am 15. Juni 1974 das politisch aufgeladene Gruppenspiel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR (1:1). Bei der Europameisterschaft 1988 folgten zwei weitere Partien, unter anderem am 11. Juni 1988 die Gruppenpartie Griechenland gegen die Niederlande.

Beim FIFA-Konföderationen-Pokal 2005 war die Arena Schauplatz von drei Spielen – zwei Gruppenspielen der Gruppe B am 16. Juni 2005 und einem Halbfinale –, bei der Weltmeisterschaft 2006 folgten fünf weitere Partien, vier Gruppenspiele und ein Achtelfinale.

Insgesamt war die Arena Schauplatz von acht DFB-Pokalfinals (1962, 1963, 1965, 1970, 1972, 1975, 1977 und 1979) sowie vier Endspielen um die Deutsche Meisterschaft und eines DFB-Supercup-Finales (1992); bis 2003 fanden dort außerdem 29 Länderspiele der Herren und ein Länderspiel der Frauen statt.

Als Konzertbühne empfingen die Rolling Stones 1982 und 2006 sowie Michael Jackson 1988 die Arena; Phil Collins gab dort 1994 vier ausverkaufte Konzerte mit insgesamt rund 240.000 Besuchern. Am 22. August 2006 spielte Madonna im Rahmen ihrer Confessions Tour vor rund 40.000 Fans. Weitere Künstler, die dort auftraten, sind Coldplay, U2, Herbert Grönemeyer, Helene Fischer, Bruce Springsteen, Depeche Mode, Rammstein und Robbie Williams. Am 17. Dezember 2022 fand mit "Music meets Eishockey" ein kombiniertes Event aus einem Oberliga-Eishockeyspiel der Hannover Scorpions gegen die Hannover Indians (5:2 vor rund 32.000 Zuschauern) und Konzerten von Culcha Candela, Alle Farben und Fury in the Slaughterhouse statt.

Sonstige Nutzung

Die Arena war und ist regelmäßig Austragungsort von Leichtathletikwettbewerben, darunter die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 1991 und mehrere weitere Ausgaben, sowie Schauplatz des Deutschen Turnfests, der Faustball-Weltmeisterschaft 1982 und von Endspielen im Feldhandball, Rugby und American Football. 1983 fand im Stadion der Evangelische Kirchentag statt, in den 1980er Jahren wurden dort zudem jährliche Schulbuchflohmärkte veranstaltet. Zwischen 1960 und 2007 nutzten Zeugen Jehovas die Anlage wiederholt für mehrtägige Kongresse (1960, jährlich 1979 bis 1993 sowie acht weitere Termine zwischen 1995 und 2007), insgesamt 77 Kongresstage.

Während der Umbauphase 2003 bis 2005 wich Hannover 96 in eine provisorische Freiluftarena mit 60.000 Plätzen auf dem Gelände der EXPO 2000 aus. In jüngerer Zeit diente die Arena auch als Ausweichspielstätte für andere Vereine: TSV Havelse trug dort in der Saison 2021/22 nach dem Aufstieg in die 3. Liga seine Heimspiele aus, ebenso VfB Oldenburg in der Saison 2022/23; im Rahmen der European League of Football (ELF) bestritten die Hamburg Sea Devils 2024 ein Heimspiel in der Arena.

Das Stadion heute

Die heutige Heinz-von-Heiden-Arena bietet rund 49.000 überdachte Plätze, darunter etwa 8.000 Stehplätze, die für internationale Spiele in rund 4.000 Sitzplätze umgewandelt werden können. Eigentümerin des Stadions ist die Stadt Hannover, Betreiberin die Hannover 96 Arena GmbH & Co KG im Rahmen eines Konzessionsvertrags, der zunächst bis 2030 läuft. 2023 wurden Pläne für ein Erbbaurecht bis zum Jahr 2096 zu einem Pachtzins von 26 Cent pro Quadratmeter (rund 27.000 Euro jährlich) diskutiert, die vom Bund der Steuerzahler wegen des niedrigen Pachtzinses und eines bis 2030 vorgesehenen jährlichen Betriebszuschusses von 850.000 Euro kritisiert wurden; eine Fan-Petition wandte sich gegen eine derart langfristige Bindung an einen privaten Betreiber ohne Vereinsbeteiligung. Die lichtdurchlässige ETFE-Dachfolie ermöglicht bis heute eine im Vergleich zu vollständig geschlossenen Stadien schonendere Rasenpflege.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:26 Uhr