BayArena

Leverkusen  •  30.210 Plätze
Stadt
Leverkusen
Adresse
Leverkusen, North Rhine-Westphalia
Kapazität
30.210 Plätze
Rasenart
Naturrasen
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Heimverein
Bayer 04 Leverkusen
1. Bundesliga
Die Geschichte des Stadions

Baugeschichte & Eröffnung

Die Geschichte der heutigen BayArena reicht bis in die Gründerjahre des TSV Bayer 04 Leverkusen zurück, der in den ersten Jahrzehnten auf mehreren provisorischen Werksplätzen der Bayer AG in Leverkusen spielte, ehe 1932 mit dem „Stadion am Stadtpark“ eine erste feste Spielstätte entstand. Für den heutigen Standort an der Bismarckstraße im Stadtteil Küppersteg erfolgte am 23. April 1956 der Spatenstich; errichtet wurde die neue Anlage nach einem Entwurf des Düsseldorfer Architekturbüros Hentrich, Petschnigg & Partner (HPP), das sich zunächst an einfachen, einrangigen Stadien wie dem Bochumer Ruhrstadion orientierte, ehe während der Bauphase Änderungen zu einem eigenständigeren Erscheinungsbild führten.

Eröffnet wurde das Stadion am 2. August 1958 mit einer Kapazität von zunächst gut 20.000 bis 22.500 Plätzen. Benannt wurde die Anlage nach Ulrich Haberland, dem Generaldirektor der Bayer AG, der sich als bedeutender Förderer des Vereins- und Werksports einen Namen gemacht hatte – daher der ursprüngliche Name Ulrich-Haberland-Stadion. Bereits kurz nach der Eröffnung zeigte sich, wie empfindlich die neue Rasenfläche war: Ein Freundschaftsspiel gegen den MSV Duisburg im November 1958 beschädigte den Rasen derart, dass die Mannschaft zeitweise auf die alte Anlage am Stadtpark auswich.

Bauherrin und bis heute Eigentümerin des Stadions ist die Bayer AG, die die Anlage über die Tochtergesellschaft Bayer 04 Immobilien GmbH hält – eine im deutschen Profifußball ungewöhnliche Konstruktion, bei der ein Industriekonzern nicht nur Namensgeber, sondern auch Bauherr und Eigentümer der Spielstätte seines Vereins ist.

Architektur

Anders als die meisten gleichzeitig entstandenen bundesdeutschen Stadien wurde das Ulrich-Haberland-Stadion nicht für die Leichtathletik mitgeplant, sondern von Beginn an als reine Fußballarena mit nahe am Spielfeld liegenden Rängen konzipiert. Kurios ist die Entstehungsgeschichte der bis heute charakteristischen Hufeisenform: Ein zunächst diskutierter Plan sah vor, die Bauform von oben wie eine überdimensionale Aspirin-Tablette wirken zu lassen, inklusive eines riesigen leuchtenden Bayer-Schriftzugs; aus Kostengründen wurde dieser Entwurf jedoch verworfen und stattdessen auf der Südseite zunächst auf eine durchgehende Tribüne verzichtet.

Prägendstes bauliches Merkmal der heutigen BayArena ist die beim Umbau 2007 bis 2009 realisierte, kreisrunde Dachkonstruktion aus lichtdurchlässigem Makrolon-Kunststoff, die sich – anders als bei vielen anderen Stadien üblich – selbst trägt, statt auf dem darunterliegenden Baukörper aufzusetzen, und dabei sämtliche Zuschauerränge überspannt. Auch ein zeitweise geplantes, 200 Meter durchmessendes und aus 2.000 LEDs bestehendes leuchtendes Bayer-Kreuz auf dem Dach wurde letztlich nicht realisiert und 2015 endgültig aufgegeben.

Zu den technischen Besonderheiten zählte 1999 der Einbau von 220 gasbetriebenen Heizstrahlern unter den Tribünensitzen, mit denen die BayArena als erstes Stadion Deutschlands über eine Tribünenheizung verfügte; die Anlage wurde später im Zuge weiterer Umbauten wieder zurückgebaut. Das Farbkonzept der Sitzschalen mit den Schriftzügen „1904“ und „Bayer 04“ auf den Rängen stammt aus dem Umbau von 2007 bis 2009.

Umbauten & Modernisierungen

Die BayArena hat seit ihrer Eröffnung 1958 eine ganze Reihe von Ausbaustufen durchlaufen. 1963, zum hundertjährigen Bestehen der Bayer AG, erhielt das Stadion eine erste moderne Flutlichtanlage. In den 1980er-Jahren begann eine umfassende Modernisierung: 1979 entstand nach dem Bundesliga-Aufstieg eine provisorische Zusatztribüne auf der Ostseite, 1986 folgte deren fester Neubau, 1988 wurde die Haupttribüne erneuert und 1990 die Nordkurve fertiggestellt.

1996 kam eine neue Südtribüne mit Logenplätzen, der Geschäftsstelle des Vereins und einer Tiefgarage hinzu. Im Jahr darauf, 1998, wurde neben der Nordtribüne ein Hotel errichtet – die BayArena war damit eines der ersten Stadien Europas mit einem angeschlossenen Vier-Sterne-Hotel – und das Stadion in „BayArena“ umbenannt. 1999 folgte der Einbau der Tribünenheizung.

Der bislang größte Umbau fand zwischen Dezember 2007 und der Saison 2009/10 statt. Beschlossen am 30. März 2007, verteuerte sich das Projekt durch gestiegene Stahlpreise von zunächst kalkulierten 56 Millionen auf letztlich rund 73 Millionen Euro. Während der Bauarbeiten trug Bayer 04 seine Heimspiele der Rückrunde 2008/09 in der Düsseldorfer LTU arena aus. Durch den Umbau wuchs die Kapazität von 22.500 auf rund 30.000 Plätze, die Zahl der Hospitality-Plätze stieg von 812 auf über 2.000 und die Medienarbeitsplätze wurden von rund 115 auf 228 mehr als verdoppelt; zudem entstand die charakteristische, alle Ränge überspannende Dachkonstruktion. Wiedereröffnet wurde das Stadion am 15. August 2009 mit dem Bundesligaspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

Danach folgten kleinere Modernisierungen: 2012 mussten Teile des Dachs wegen Brandschutzmängeln ausgetauscht werden, 2013 wurde der Stehplatzbereich aus der Nordost-Ecke in den unteren Teil der Nordtribüne verlegt und auf 3.000 Plätze erweitert. Zwischen 2013 und 2015 rüstete der Verein das Stadion umfassend mit Multimediatechnik aus – darunter 607 HD-Bildschirme und ein WLAN-Netz mit 360 Access-Points für bis zu 20.000 gleichzeitige Nutzer.

Namensgeschichte

Der heutige Stadionname BayArena wurde 1998 eingeführt, nachdem das Stadion vierzig Jahre lang als Ulrich-Haberland-Stadion firmiert hatte – benannt nach dem langjährigen Bayer-Generaldirektor und Sportförderer Ulrich Haberland. Anders als bei klassischen Namenssponsoring-Verträgen anderer Bundesligastadien steht hinter dem Namen keine zeitlich befristete Sponsoringvereinbarung, sondern das direkte Eigentumsverhältnis: Die Bayer AG ist über die Bayer 04 Immobilien GmbH sowohl Eigentümerin des Stadions als auch alleinige Gesellschafterin des Vereins, sodass der Name BayArena unmittelbar auf den Konzern verweist, ohne dass ein gesonderter, auslaufender Namensrechtevertrag existiert.

Der traditionelle Name Ulrich-Haberland-Stadion ging nach der Umbenennung nicht verloren: Aus Traditionsgründen trägt seither das benachbarte Amateur- und Trainingsstadion des Vereins diesen Namen weiter, sodass die Erinnerung an den Namensgeber am Standort erhalten blieb. Vor dem Ulrich-Haberland-Stadion war die vereinseigene Anlage von 1932 bis 1958 als „Stadion am Stadtpark“ beziehungsweise „Bayer-Platz“ bekannt, davor nutzte der Verein ab 1914 den hochwassergefährdeten „Platz an der Dhünn“ im Neulandpark.

Für internationale Turniere wie die Frauen-Weltmeisterschaft 2011, bei der die BayArena als Spielort diente, gelten grundsätzlich ebenfalls die neutralen FIFA-Stadionbezeichnungen, wie sie auch bei anderen deutschen Spielstätten während solcher Turniere üblich sind.

Zuschauerrekord & Kapazität

Die BayArena bietet heute Platz für 30.210 Zuschauer, davon rund 2.000 VIP-Sitzplätze, 228 Medienarbeitsplätze und ein auf zehn Prozent der Kapazität begrenztes Gästekontingent von etwa 3.000 Plätzen – der anteilig kleinste Gästebereich der Bundesliga. Seit dem Umbau 2013 stehen den Heimfans nur noch rund 3.000 Stehplätze zur Verfügung, ebenfalls der geringste Stehplatzanteil der Liga. Die Kapazität hat sich seit der Eröffnung 1958 mit ursprünglich rund 22.500 Plätzen über die Zwischenstufe von etwa 27.000 Plätzen in den 1980er- und 1990er-Jahren bis zum heutigen Wert von gut 30.000 Plätzen nach dem Umbau 2007 bis 2009 mehrfach verändert.

Einen einzelnen, für alle Wettbewerbe dokumentierten Allzeit-Zuschauerrekord weist die BayArena nicht in derselben eindeutigen Weise aus wie ältere Mehrzweckstadien mit Leichtathletikbahn; bei ausverkauften Bundesliga- und Europapokalpartien ist die Arena regelmäßig mit ihrer vollen Kapazität von 30.210 Zuschauern gefüllt. Für den internationalen Frauenfußball ist die höchste belegte Zuschauerzahl das Viertelfinale England gegen Frankreich bei der FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft 2011 am 9. Juli 2011, das 26.395 Zuschauer verfolgten – mehr als bei den drei zuvor in Leverkusen ausgetragenen Gruppenspielen mit Zuschauerzahlen zwischen rund 18.500 und 22.300.

Bedeutende Spiele & Ereignisse

Zu den bedeutendsten Spielen in der Geschichte der Leverkusener Spielstätte zählt das Rückspiel des UEFA-Pokal-Finales 1988, das während einer Umbauphase im damaligen Ulrich-Haberland-Stadion ausgetragen wurde und mit dem Bayer 04 seinen bislang einzigen internationalen Titelgewinn feierte. Als deutsche Nationalmannschaftsspielstätte diente das Stadion erstmals am 18. Dezember 1991; nach dem Umbau folgte am 5. September 2009 mit der Partie gegen Südafrika das erste Länderspiel in der modernisierten BayArena. Am 20. November 2023 war die Arena zudem Schauplatz eines Novums: Mit der Partie Ukraine gegen Italien fand hier erstmals ein Pflichtspiel zweier ausländischer Herren-Nationalmannschaften auf deutschem Boden statt.

Im Vereinsfußball war die BayArena wiederholt Bühne für internationale Spitzenspiele gegen Mannschaften wie Real Madrid, den FC Barcelona, Manchester United und den FC Liverpool im Rahmen von Champions League und UEFA-Pokal beziehungsweise Europa League. National war das Stadion zudem mehrfacher Austragungsort des DFL-Ligapokals in den Jahren zwischen 1997 und 2000 sowie des DFB-Supercups 1993 und – nach dem Double-Gewinn von 2024 – erneut des DFL-Supercups im gleichen Jahr.

Bei der FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft 2011 war Leverkusen mit drei Vorrundenspielen und dem Viertelfinale England gegen Frankreich einer der deutschen Spielorte. Auch die Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung 2006 fand mit ihrem Finale am 16. September 2006 in der BayArena statt.

Sonstige Nutzung

Anders als viele andere Bundesligastadien wird die BayArena praktisch ausschließlich für den Fußballbetrieb genutzt; Konzerte oder vergleichbare Großveranstaltungen finden auf dem Spielfeld selbst so gut wie nicht statt. Diese Zurückhaltung unterscheidet die Leverkusener Arena deutlich von Stadien wie dem Deutsche Bank Park oder der Allianz Arena, die regelmäßig auch als Konzert- und Eventarenen dienen.

Die eigentliche sportliche Zusatznutzung beschränkt sich im Wesentlichen auf die bereits erwähnten Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft sowie internationale Turniere wie die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 und die Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung 2006. Rund um das Stadion hat sich hingegen ein breiteres Freizeit- und Sportangebot entwickelt: Der angrenzende Sportpark umfasst unter anderem eine Rundsporthalle, eine Skaterbahn, ein früheres Eislaufzentrum, das heute als Fußball-Soccercenter genutzt wird, ein Freibad sowie eine Leichtathletikanlage – allesamt Teil der von der Bayer AG getragenen Sportinfrastruktur am Standort Küppersteg, die weit über das eigentliche Stadion hinausreicht.

Bekannt wurde die BayArena zudem 1998 als eines der ersten Stadien Europas mit einem angeschlossenen McDonald's-Restaurant, das bis Ende 2019 vom früheren Box-Weltmeister Henry Maske betrieben wurde, sowie durch das direkt angebaute Vier-Sterne-Hotel der Kette Lindner Hotels & Resorts mit 200 Betten, dessen oberste Etage Logenplätze mit unmittelbarem Blick auf das Spielfeld bietet.

Das Stadion heute

Die BayArena ist heute eines der modernsten, zugleich aber auch eines der kompaktesten Stadien der Bundesliga: Mit gut 30.000 Plätzen bietet sie deutlich weniger Kapazität als die meisten Konkurrenzarenen, gilt dafür aber wegen der Nähe der Ränge zum Spielfeld als besonders atmosphärisch. Der sportliche Erfolg der vergangenen Jahre, allen voran die Double-Saison 2023/24 mit Bundesliga-Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg, hat die Nachfrage nach Karten weiter steigen lassen; die BayArena ist bei Bundesligaspielen praktisch durchgehend ausverkauft.

Als Eigentümerin und Betreiberin der Anlage bleibt die Bayer AG über die Bayer 04 Immobilien GmbH eng mit dem sportlichen Geschick des Vereins verbunden, was dem Klub eine im deutschen Profifußball seltene wirtschaftliche Stabilität verschafft. Ein zusätzlicher Ausbau in Form eines separaten Parkhauses wurde angesichts gestiegener Baukosten zwischenzeitlich zurückgestellt, grundlegende bauliche Erweiterungen der Zuschauerkapazität sind derzeit nicht öffentlich angekündigt.

Für Besucherinnen und Besucher bietet der Verein Stadionführungen an, bei denen Innenraum und ausgewählte Bereiche der Arena zugänglich sind; ergänzt wird das Angebot durch Einblicke in die Vereinsgeschichte rund um Meisterschaften, Europapokalerfolge und die Ära um Ulrich Haberland. Damit bleibt die BayArena, obwohl deutlich kleiner als viele andere deutsche Fußballstadien, ein zentraler Ort der Vereinsidentität von Bayer 04 Leverkusen.

Recherchiert: 09.09.2026
Zuletzt aktualisiert: 21.09.2026 05:11 Uhr